Bella Coola wollte ich zwar immer schon mal besuchen, allerdings war dieser Besuch eher spontan als von langer Hand geplant. Aber von vorne:

Nachdem ich ja am 20. Mai hier im Blog den Beitrag geschrieben habe, wie man in BC einen Job findet, habe ich am 28. Mai selbst meinen Job bei der UBC gekuendigt. Jetzt konnte ich am eigenen Leib ausprobieren, ob meine Tips auch was wert sind. Ich hab allerdings gekuendigt, ohne mir vorher wirklich grosse Gedanken darueber gemacht zu haben, was ich denn danach mache um den Kuehlschrank immer gut gefuellt zu halten. Diese Vorgehensweise kann ich ausdruecklich nicht zur Nachahmung empfehlen, aber ich war der festen Ueberzeugung, dass ich als Maurer mitten im Sommer im Grossraum Vancouver jederzeit was Neues finden koennte, was auch stimmt.

Bevor ich aber diesen Schritt gehen wuerde, wollte ich mal auskundschaften was und wo eventuell noch andere Arbeitsmoeglichkeiten bestehen. Da Petra und ich erst kuerzlich die wunderschoene Gegend um Williams Lake erkundet hatten und Freunde von uns dorthin gezogen sind, wollte ich mal schauen, ob da nicht auch fuer uns was geht. Ausserdem hatte ich einen Kontakt mitten im nirgendwo, in der Naehe von Anahim Lake, mit dem ich mich auch treffen wollte um ueber einen Job zu sprechen.

Los ging’s also wieder mal durch den Fraser Canyon, vorbei an Waldbraenden die gerade mit Hubschraubern geloescht wurden (siehe Video), ueber Cache Creek, 100 Mile House bis nach Williams Lake, wo ich 1.5 Tage Aufenthalt eingeplant hatte um Kontakte zu knuepfen, die Gegend auszukundschaften und die lokale Wirtschaft zu erkunden. Danach gings auf in Richtung Anahim Lake auf dem Highway 20 in Richtung Westen.

Bruecke ueber den Fraser River westlich von Williams Lake
Bruecke ueber den Fraser River westlich von Williams Lake

Der Highway 20 ist nicht wirklich stark befahren, sowie eigentlich alle Strassen angenehm verkehrsarm sind, sobald man sich ausserhalb der grossen Staedte befindet. Fuer einen wie mich, der sich sonst taeglich durch den Vancouver Stadtverkehr quaelen muss, ist so ein Roadtrip immer wieder ein willkommener Kurzurlaub. Freie Strassen, keine Baustellen, keine irren Raser unterwegs und oft sieht man atemberaubende Natur oder kann Kilometerweit die meist beeindruckende Landschaft ueberblicken. Life is good!

Zwischen Williams Lake und Anahim Lake
Zwischen Williams Lake und Anahim Lake

Klitzekleine Siedlungen und manchmal nur einzelne Haeuser am Strassenand wechseln sich ab mit Farmen und Ranch’s wo Kuehe grasen. Man koennte meinen, man sei irgendwo in Deutschland. Anahim Lake ist auch leicht zu uebersehen. Man durchfaehrt nicht wirklich eine Ortschaft, sondern die Strasse fuehrt daran vorbei. Das habe ich auch erst gemerkt, als es zu spaet war. Also umgedreht um zu tanken im „Anahim Lake Trading Store„. Das ist Tankstelle, Poststation, Lebensmittelgeschaeft, Baecker, Liqour store, Apotheke, Drogerie, Imbiss, Kaffee, Infostand und was sonst noch alles. Alles in einem einzigen Geschaeft was von der Besitzerin 365 Tage im Jahr gemanagt wird. Auf dem Weg nach Bella Coola ist das wirklich ein empfehlenswerter Stop. Wer telefonieren will, kann das von dort aus auch erledigen. Mobiltelefone funktionieren naemlich nicht zwischen Williams Lake und Bella Coola aufgrund fehlendem Mobilfunknetz. Und Internet gibt’s schon gar nicht.

Die Ulkatcho First Nation Indian Band lebt in und um Anahim Lake und stellt somit den Grossteil der Bevoelkerung dar. Nach meiner Rueckkehr habe ich gelesen, dass die Band gerade einen neuen General Manager einstellen wollte. Da hab‘ ich mich doch glatt drauf beworben. Einen Indianerstamm zu managen kann doch soo schwer nicht sein, oder? Ist aber nichts geworden.

Kurz hinter Anahim Lake hatte ich meine Verabredung und bin am spaeten Nachmittag dann wieder aufgebrochen. Jetzt musste ich mich entscheiden, ob ich die rund 350 Kilometer zurueck nach Williams Lake angehen wollte, oder die restlichen 150 Kilometer in Richtung Bella Coola. Die Wahl fiel (natuerlich) auf Bella Coola. Wenn man schon mal in der Naehe ist…

Anahim Lake - Dean River
Anahim Lake – Dean River

„The Hill“ (der Berg) ist der Kurzname der beeindruckenden Teilstrecke vom Highway 20. Ein Schotterweg der teilweise mit bis zu 18% Gefaelle und manchmal nicht viel breiter als eine Spur, vom Heckman Pass auf 1524 Meter ueber Null, runter ins Bella Coola Valley auf Meereshoehe fuehrt. Keine feste Fahrbahndecke, keine Leitplanken, Felswaende an der einen Seite und steile Abgruende auf der anderen Seite. Wer hier langfaehrt sollte schwindelfrei sein, gute Bremsen haben und nicht leichtsinnig werden. Da das die einzige Landverbindung nach Bella Coola ist und man somit auch den gleichen Weg bergauf wieder zurueck muss, sollen manche Touristen lieber das Schiff oder Flugzeug genommen haben, um aus Bella Coola wieder rauszukommen, nur um zu vermeiden „The Hill“ auch wieder hochfahren zu muessen. Ich habe ca. 6 Minuten meiner Fahrt bergab auf Video festgehalten. Einsteigen, anschnallen und unten aufs Video klicken wer sich traut:

Leider habe ich keine Grizzly Baeren gesehen. Die sollen auf der Strasse und im Bella Coola Valley haeufig anzutreffen sein und sind natuerlich eine Touristenattraktion. Naja, naechstes mal vielleicht. Das Bella Coola Valley and Bella Coola Harbour haben mich aber schon sehr an Kitimat erinnert. Eine aehnlich spektakulaere Landschaft und Szenerie die am Ende den Zugang zum Pazifischen Ozean bietet. Nach einer Uebernachtung im Bella Coola Valley Inn, gings dann am naechsten Tag auf Fotosafari und gegen Mittag auf die rund 6-stuendige Rueckfahrt nach Williams Lake und am naechsten Tag Richtung Vancouver. Noch ein paar Bilder von dem Roadtrip sind im Album unten zu sehen.

Achso, nur der Vollstaendigkeit halber. Der Roadtrip hat nicht dazu gefuehrt, dass ich einen neuen Job gefunden habe. Ich habe aber letzte Woche ein Jobangebot als Bauleiter im Grossraum Vancouver akzeptiert. Wir bleiben also, wo wir sind und ich werde auch weiterhin von hier aus den Blog schreiben und unter easy2web Webseiten und IT-Dienstleistungen anbieten.

Bis zum naechsten mal…