Anfangen muss ich mit unserem Auto. Ford Taurus Kombi Baujahr 1997.
Zugegeben ein stolzes Alter und mit ueber 200.000 Kilometern auf der Uhr
kann man wirklich nicht mehr von einem Neuwagen sprechen. Da ist es wohl nur
natuerlich, dass man dann und wann etwas Aerger hat. Obwohl, im
letzten Jahr hatten wir schon eine Stange Geld reingesteckt fuer Reparaturen
und sonstige Lebenserhaltende Massnahmen. Im Oktober hoerten wir dann ein
Geraeusch beim Fahren, dass nach ein paar Tagen immer lauter und auch
spuerbarer wurde. Der freundliche Mechaniker hatte schnell rausgefunden
woran es lag. Ein Radlager war kaputt und fuer 450 Dollar hat er uns ein
neues Radlager eingebaut. Auto faehrt wieder - erstmal. Schon in den
vergangenen Jahren ueberkam mich in unregelmaessigen Schueben, der starke Drang ein neues Auto zu kaufen. Ich
spuere, wie dieser Drang wieder waechst.
Auf dem Campus wurden im Herbst kraeftig Baeume gefaellt. Die Gaertner stapeln dann das Holz an die Strasse und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. "Firewood for free!" steht dann manchmal noch dran. Da wir in unserem neuen Heim auch einen echten Kamin haben, habe ich nicht lange gezoegert und die Sitzbaenke im frisch reparierten Auto umgeklappt und das Holz mit nach Hause genommen. In so einen Kombi passt ganz schoen viel rein. Und mit dem neuen Radlager faehrt es sich auch wieder gut. Klasse Auto!
Das Holz musste natuerlich noch klein gemacht werden und als ich damit fertig war, wurde mir bewusst, dass wir gar keinen trockenen Platz hatten, um es aufzustapeln. Also wurde flugs ein kleiner Unterstand gebastelt wo ich das Holz aufstapeln konnte und austrocknen lasse. Das dafuer benoetigte Material ist schnell im naechsten Baumarkt eingekauft und Dank dem geraeumigen Kombi mit Dachgepaecktraeger ist auch der Transport kein Problem. Echt klasse Auto!
Ich hatte ja geschrieben, dass ich seit dem Sommer eine neue Kamera im
Einsatz habe. Um nun noch bessere Bilder machen zu koennen und nicht
staendig zu verwackeln wenn ich den Zoom einsetze, konnte ich es mir nicht
verkneifen ein Stativ zu kaufen. Jetzt schnall ich mir bei Spaziergaengen
immer das Stativ auf den Ruecken und Petra ist vollends begeistert davon,
dass ich alle 5-10 Minuten stehen bleibe, das Stativ aufbaue und Fotos
mache. Unser treuer Ford bringt uns aber ueberall hin, wo wir hin wollen.
Super Auto!
6:20 Uhr morgens. Das ist unsere Zeit wenn wir uns auf den Weg zur Arbeit machen. Leider nicht an diesem morgen. Das Auto springt nicht an - Olle Dreckskarre! Da ich Mitglied im BCAA bin, das ist sowas wie der ADAC in Deutschland, konnte ich deren Pannenhilfe ausprobieren und die hat uns Starthilfe gegeben. Mit dem Rat schnellstmoeglichst eine Werkstatt aufzusuchen sind wir los. Die Werkstatt diagnostiziert Probleme mit der Zuendung und fuer nur 450 Dollar konnte uns geholfen werden. (Komisch, 450 Dollar, genau wie letztes mal.) Ich fing wieder an, mich fuer die Autowerbung zu interessieren.
Da Petra und ich immer noch glauben, beruflich nicht wirklich das zu tun, wozu wir in der Lage waeren, beobachten wir den Arbeitsmarkt sporadisch. Hin und wieder bewerbe ich mich auf Stellen bei der UBC fuer die ich mich bestens qualifiziert fuehle und dann und wann kommt es tatsaechlich zu einem Vorstellungsgespraech. Bei diesen kann ich dann offensichtlich regelmaessig nicht wirklich ueberzeugen. Ich hab keine Ahnung woran es genau liegt. Eine Karriere bei der UBC scheint es jedenfalls fuer mich auf absehbare Zeit nicht zu geben. Der einzige Trost den ich habe ist, dass mein Kollege, der gleichaltrig und mit vergleichbarer Qualifikation ausgestattet ist, ebenfalls nicht erfolgreicher ist als ich. Und der ist Englaender. An der Sprache liegt es demnach nicht. Vielleicht ist eine Selbststaendigkeit die man nebenbei startet, doch eine Idee die ich naeher beleuchten sollte.
Ein oder 2 Wochen lief das Auto ohne Probleme, dann kamen die bekannten Geraeusche aus dem Radlager wieder. Kann ja nicht sein, dachten wir. Das ist ja neu, oder ist es diesmal die andere Seite? Die Werkstatt fand raus, dass das neu eingebaute Radlager offensichtlich einen Materialfehler hatte und nun nochmal ausgetauscht werden musste. Allerdings lief das auf Garantie und kostete uns nichts. Puh, Schwein gehabt.
Im Dezember stand ein Heimaturlaub an. Nachdem wir unsere Familie und
Freunde jahrelang nicht gesehen hatten, wurde es mal wieder Zeit. Am
wichtigsten war natuerlich unseren Enkel Levi kennen zu lernen. Fuer 3
Wochen waren wir zu Besuch. Neben Heiligabend und Weihnachten, gab es eine
Reihe von Familienfesten, Geburtstagen und sonstigen Anlaessen auf denen wir
Gelegenheit hatten unsere alten Freunde und Bekannten wieder zu sehen.
Anstrengend war's, aber schoen! Das kulinarische Highlight fuer Petra und
mich war: Currywurst zu essen. Die haben wir hier in Canada naemlich immer
noch nicht gefunden.
Der Weihnachtsmann hat mir dann ein Geschenk gemacht, das sich seitdem zu meinem neuen Markenzeichen entwickelt hat. Ein Original Indianer Jones Hut. Den wollte ich schon lange haben, aber Petra war immer strikt dagegen. Unsere Kinder haben mir diese Freude gemacht und seitdem gehe ich nicht mehr ohne Hut aus dem Haus. Sieht doch auch echt Klasse aus, oder?
Als wir Anfang Januar wieder zurueck geflogen sind, wartete ein
Weihnachtsgeschenk auf mich, dass ich mir selbst gemacht hatte. Ein
brandneuer und affenschneller Dell-Computer. Sieben Jahre alt war mein Computer und nun
mittlerweile technisch an seine Grenzen gestossen. Gottseidank lief die
Datenuebertragung auf den neuen wie geschmiert. Jetzt kann ich auch endlich
wieder Tagebucheintraege schreiben (Gute Ausrede fuer die lange Wartezeit,
oder?)
Das Auto laeuft wie geschmiert. So'n Sechszylinder ist echt gut, total ruhig. Den hoert man kaum auf der Autobahn. OK, 'n bisschen durstig. 15 Liter auf 100 Kilometer, aber die Trucks die man hier faehrt, wenn man ein richtiges Maennerauto haben will, verbrauchen viel mehr...
Das Auto macht keine Probleme, dafuer unsere Heizung. Puenktlich zum Anfang einer einwoechigen Frostperiode faellt im Haus die Heizungsanlage aus. Unser Vermieter wurde umgehend verstaendigt und der hat auch umgehend reagiert und uns eine Elektroheizung als Trost ueberlassen. Die war aber viel zu klein um alle Raeume zu heizen. Da fiel mir wieder das Feuerholz ein, dass ich im Herbst geschlagen hatte. Natuerlich war das noch viel zu nass, aber mit Hilfe von gekauften 'Firelogs' aus dem Baumarkt, konnten wir wenigstens das Wohnzimmer auf fast 20 Grad aufheizen. Es hat fast eine ganze Woche gedauert bis wir eine neue funktionierende Heizungsanlage gekriegt haben. Allerdings werden einem in diesem Moment auch die Vorzuege eines Mieter Daseins bewusst. Die Kosten fuer eine neue Heizung jucken uns nicht.
Januar und Februar sind die Monate wenn die neuen Kurse bei der UBC-continuing studies beginnen. Abendkurse die ich buchen kann und die mich nichts kosten weil ich bis zu 1.8oo Dollar/Jahr von der UBC bezahlt bekomme. Petra sieht das mit gemischten Gefuehlen. Auf der einen Seite hat Sie natuerlich nichts dagegen, dass ich mich weiterbilde. Allerdings muss Sie an diesen Tagen dann immer mit dem Bus nach Hause fahren, was ihr nicht wirklich gefaellt. So hatte Sie die glaenzende Idee, dass ich mich fuer einen Onlinekurs einschreiben sollte. OK, hab ich gedacht, versuchste mal. 'Website Analytics'. Studieren von zu Hause, am eigenen Schreibtisch. Klingt erstmal gut, aber wie sich rausgestellt hat, ist diese Art der Fortbildung nicht wirklich mein Fall. Beim naechsten mal wirds also wieder der klassische Frontalunterricht sein.
6:25 Uhr morgens. Wir waren ein bisschen spaet dran diesen Morgen und das
Auto springt nicht an. Unwillkuerlich schoss mir das Bild meiner Axt durch
den Kopf. Kann man Autos eigentlich toeten? Und wenn ja, ist das strafbar?
Der nette BCAA Mann kam eine halbe Stunde spaeter und fand auch schnell das
Problem. 'Das wird wohl die Benzinpumpe sein'. Mit ein paar herzhaften
Hammerschlaegen unter den Tank waehrend ich die Zuendung betaetigte, sprang
er dann auch an. 'Am besten nicht mehr abstellen und gleich in die
Werkstatt' war sein Rat, aber was weiss der schon. Wir haben uns einen
Hammer ins Auto gelegt und sind noch ein paar Tage damit gefahren. Jetzt
wissen wir ja wie man das Problem loest. Zum naechsten tanken sind wir zu
der Tankstelle gefahren, die nur ein paar hundert Meter von unserem Haus
entfernt liegt und auch eine Werkstatt angeschlossen hat. Natuerlich stellt
man beim tanken den Motor ab und natuerlich sprang das Auto nach dem tanken
nicht wieder an. Ich also den Hammer geschnappt, auf den Bauch gelegt -
Petra auf dem Fahrersitz, mit rotem Kopf staendig murmelnt ' Ist das
peinlich, ist das peinlich' und versucht das Auto mit der Kombination aus
gezielten Hammerschlaegen und dem betaetigen der Zuendung zu starten - Ohne
Erfolg. Ich glaube dies war der Moment in dem wir beide gewusst haben, dass
es an der Zeit ist Abschied zu nehmen.
Der Werkstattleiter, der gluecklicherweise noch Dienst hatte und das Schauspiel mit unterdruecktem
Grinsen beobachtet hatte, half uns dann aus. Er machte uns ein Angebot, was
wir nicht ablehnen konnten. Fuer, na ratet mal, genau!: 450 Dollar hat er uns
eine neue Benzinpumpe eingebaut. Alles scheint 450 Dollar zu kosten. Wollen
die mich hier eigentlich verarschen? Aber jetzt ist Schluss mit Lustig. Wir
haben uns nun endlich dazu durchgerungen das Problemthema Auto auf lange Sicht zu loesen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich mir fuer den naechsten
Eintrag aufspare.
Petra, die schon seit Jahren hin und wieder ueber Magenprobleme klagt, hatte im Januar eine Magenspiegelung im St. Pauls Krankenhaus in Vancouver. Obwohl Sie davor maechtig Schiss hatte, war alles nur halb so schlimm. Sie war im Daemmerschlaf waehrend der Untersuchung und das Ergebnis ist, das alles OK ist.
In der naechsten Zeit werde ich ein paar kleine Verbesserungen und Erweiterungen an unserer Seitenstruktur vornehmen. Ausserdem wollte ich anfangen unsere Geschichte als e-book zu schreiben. Es wird nicht langweilig bei uns...