Tschuess Deutschland - Hello Canada

Von Engensen nach Vancouver - Familie Pflueger geht nach Canada!

Ereignisse von April 2011 bis September 2011

Neee , ich war nicht zu faul zum schreiben in den letzten 6 Monaten. Ich war volle Pulle beschaeftigt mit der Uebersetzung der Seiten. Wie der aufmerksame Besucher am rechten Bildschirmrand erkennt, kann man diese Internetseiten jetzt in 38 verschiedenen Sprachen lesen. Was glaubt Ihr wieviel Arbeit das war...
Spass beiseite - klar war ich zu faul! Aber die Sommermonate waren voll dem Canadischen Motto gewidmet: "work hard - play harder" Und da wir jetzt endlich auch den passenden Garten haben, um dem Motto zu folgen, war fuer meine schriftstellerischen Erguesse keine Zeit. Nu aber! Was gibt also neues im Hause Pflueger? Ich versuch mal die Ablaeufe chronologisch wieder zu geben, sonst komm' ich noch selbst durcheinander:

Patrick am Pitt RiverApril 2011:
Die Bilder fuer April sind ja nun schon eine ganze Weile online. Die Geschichten zum April sind auch schnell erzaehlt: Auf dem Parklatz der Coquitlam Mall wurde so eine Art Jahrmarkt aufgebaut. Petra und ich sind da mal ruebergebummelt, aber richtig umgehauen hat uns das nicht. Jedenfalls nicht zu vergleichen mit den Schuetzenfesten die wir aus Engensen gewohnt sind und immer bis zum umfallen mitgefeiert haben.
Ein Tagesausflug nach Gibsons an der Sunshine Coast stand auch dem Programm fuer April. Die dortige Stadtverwaltung suchte nach einem Building Inspector. Obwohl ich natuerlich kaum Chancen hatte den Job zu ergattern, wollte ich mir die Gegend doch mal naeher ansehen, bevor ich mich bewerbe. Ein niedliches, verschlafenes Fischerstaedtchen und sicherlich eine traumhafte Umgebung um zu arbeiten und zu leben, wie auf den Bildern zu sehen ist. Der Ausflug war schoen, aber aus dem Job wurde leider nichts.
Der April hatte aber schon so schoene Tage, dass wir schon ausgiebige Fahrradtouren unternommen haben. Mit Patrick bin ich am westlichen Ufer vom Pitt River entlang und ich konnte sogar Petra dazu bewegen aufs Fahrrad zu steigen. Das ist wirklich immer etwas besonderes!

Patrick in OsoyoosMai 2011:
Als kleines Dankeschoen hat Petra dann zu Ihrem Geburtstag auch gleich einen neuen Fahrradsattel bekommen. Natuerlich mit dem Hintergedanken, dass ich diesen Sommer oefters nochmal in den Genuss kommen wollte gemeinsam mit ihr Fahrradtouren zu machen. Mein Plan hat am Anfang auch ganz gut funktioniert. Fahrraeder aufs Dach montiert und ab nach Richmond auf den Deich, hiess es im Mai.
Patrick hatte dann im Mai die Idee zu einer Tour durch das Okanagan Valley. Petra hatte dankend abgewunken. "Zuviel im Auto sitzen - keine Lust." Ich dagegen lass mich da bei sowas garnicht lange bitten. Ruckzuck wurde der olle Ford Taurus gesattelt und ohne festes Ziel gings als reine Maennertour ab ueber die Berge in Richtung Okanagan Tal. Erster Stop war im Manning Park. Danach gings weiter in die Wueste nach Osoyoos was wir ausgiebig erkundet haben und wo wir auch ueber Nacht blieben. Am naechsten Tag gings mit vielen kurzen Fotostops in Richtung Norden bis nach Kelowna und von dort aus wieder zurueck nach Vancouver. Mal eben 1000 Kilometer abgerissen. Patrick ist davon gut die Haelfte der Strecke gefahren und Petra hat sich schoen geaergert, dass Sie nicht mitgekommen ist als wir danach erzaehlt haben wie schoen es war und auch die entsprechenden Bilder gezeigt haben.
Im Mai ist dann auch unser Entschluss gefasst worden noch einmal umzuziehen. Wir hatten ein Haeuschen in Port Coquitlam gefunden was zwar renovierungsbeduerftig war, aber einen riesigen Garten hat, im "Flachland" gelegen und genug Platz fuer uns bietet. Zudem war die Miete wirklich guenstig.

Patricks GraduationJuni 2011:
Im Juni stand Patricks "Graduation" an. Das ist praktisch das Canadische Abitur und wird hier auch entsprechend zelebriert. Um zu graduieren, also die Berechtigung zu erhalten auf eine Universitaet zu gehen, muss man im Laufe der 10. , 11. und 12. Klasse genug "credits" (Punkte) sammeln, indem man gute Noten kriegt. Patrick hatte damit kein Problem und hat sogar "graduated with Honours" was soviel heisst wie ueberdurchschnittlich gut. Sein Notendurchschnitt, der bei einer Unibewerbung zaehlt, liegt bei knapp 90% und ist damit so gut, dass er auch an der sogenannten Eliteuniversitaet UBC angenommen wuerde. Bloederweise wird der Canadische Highschool Abschluss aber nicht in Deutschland als Abitur anerkannt, sondern "nur" als erweiterter Realschulabschluss. Und da Patrick nach wie vor nicht davon abzubringen ist eine Offizierslaufbahn bei der deutschen Bundeswehr einzuschlagen, muss er eben noch ein Jahr Studienkolleg in Deutschland absolvieren und eine sogenannte Feststellungspruefung bestehen, bevor er auch das deutsche Abitur hat.
Neben den offiziellen Festreden und der Diplomuebergabe die in einem Theater in Vancouver stattfand, wurde natuerlich auch gefeiert. Es ist wohl an der Schule ueblich, dass die Absolventen zur Abschlussparty mit einer Limousine gefahren werden und da hier in Nord Amerika ja bekanntlich alles etwas groesser ist, faellt natuerlich auch die Limo etwas groesser aus. Bis zu 25 (in Worten: Fuenfundzwanzig!) Sitzplaetze, mehrere Bars, riesiger Flachbildfernseher sowie 2 kleine TV's, Monsterstereoanlage, Discobeleuchtung und wat nich alles. Zum Glueck haben sich alle Beteiligten die saftige Rechnung geteilt was die Kosten dann doch noch im Rahmen gehalten hat. Spass hat's jedenfalls offensichtlich gemacht und so'ne Sausse vergisst man dann auch nicht so schnell.

Limousine zur AbschlusspartyIm Juni stand dann auch die Renovierung unseres neuen (gemieteten) Hauses an. Ich weiss, jetzt denkt gleich jeder spontan, selber renovieren obwohl "nur" gemietet? Im Normalfall ist das auch Sache des Vermieters bzw. Eigentuemers. Wir haben allerdings unsere eigenen Vorstellungen von Sauberkeit und Ordnung und wollten nicht lange rumdiskutieren ob z.B. ein Teppich nun ersetzt werden sollte oder nur gereinigt. Raus mit dem Muell und eine Grundsanierung durchgefuehrt. Die Vermieter haben dann noch einen neuen Kuehlschrank und Herd springen lassen und wir haben uns verpflichtet uns um den Garten zu kuemmern. Kurz gesagt, jetzt haben wir ein Domizil gefunden in dem wir uns auch langfristig wohl fuehlen koennen. Vermissen werden wir die Aussicht von unserem Balkon. Dafuer haben wir jetzt einen Garten in dem wir uns austoben koennen.

Halbvolles Bierglas auf GartentischJuli 2011
Im Juli sind wir dann umgezogen. Petras Chef war so nett uns ein entsprechendes Fahrzeug zu ueberlassen und unsere paar Klamotten waren dann auch relativ schnell von A nach B verfrachtet. Zumal die Entfernung zwischen den Haeusern nur wenige Kilometer betraegt. Neben einen "Deutschentreffen" in Maple Ridge Anfang Juli und einer Einweihungsparty bei uns Ende Juli waren wir dazwischen eigentlich nur damit beschaeftigt uns in unserem neuen Heim einzurichten. Ein herausragendes Ereignis gibts es denn aber doch im Juli zu berichten. Ich hab mir einen neuen Fotoapparat gegoennt. Nachdem ich mir ueber die letzten Monate immer die Kamera von der Arbeit mitgenommen habe um vernuenftige Bilder zu schiessen, wollte ich jetzt zu Beginn der neuen Baerensaison endlich was eigenes haben. Eine Canon PowerShot SX130 ist es geworden. Seit diesem Tag ist natuerlich nichts und niemand vor mir und meiner Kamera sicher. Ich treibe besonders Petra an den Rand des Wahnsinns damit, alles zu fotografieren was sich bewegt oder auch im Stillstand nach meiner Meinung verdient fuer die Nachwelt festgehalten zu werden. Wenn ich mir dann meine "Werke" danach betrachte muss ich zugeben, dass ca. 90% davon wirklich lupenreiner Schrott sind, aber hey, jeder Kuenstler hat so seine verschiedenen Schaffensphasen, oder nicht? Das obenstehende Werk traegt den Titel "Halbvolles Bierglas auf Gartentisch". Kuenstlerisch wertvoll? Muss jeder selbst entscheiden. Mehr aus meinem "Gesamtwerk" gibt es in den Online Fotoalben.

Levi Pfl�ger kurz nach der GeburtAugust 2011
Am 2. August war es dann soweit dass Levi Pflueger das Licht der Welt erblickt hat. Unser erstes Enkelkind! Wir sind natuerlich stolz wie Oskar und koennen es kaum abwarten den Luetten zu knuddeln. Die "Technischen Daten" lauten: 3450 Gramm schwer und 56 cm gross. Das wichtigste: Mutter und Kind sind wohlauf und quietschgesund! Sebastian, als Vater, hat die Geburt auch gut ueberstanden.
Wir hatten auch sowas wie Geburtswehen. Sebastian hatte Order uns sofort zu benachrichtigen, wenn es losgeht. Das hat er auch gemacht, aber bis zur eigentlichen Geburt sind dann doch nochmal gut 24 Stunden vergangen. Das hat uns auch hier eine schlaflose Nacht beschert.
Wie in unserer Familie so ueblich, leidet man als Vater ja mit und durchlebt die Schwangerschaft praktisch genauso intensiv wie die Mutter. Bloederweise verliert die Mutter bei der Geburt abrupt an Gewicht. Beim Vater geht das nicht so schnell. Das kann dann dazu fuehren, dass man sich nach einigen Schwangerschaften und Geburten etwas von dem entfernt, was in unserer Gesellschaft faelschlicherweise als Idealgewicht definiert ist. Gehaessige Menschen fangen dann manchmal sogar an einen "dick" zu nennen. Auch Sebastian klagt ueber diesen Familienfluch und hat die Ansaetze eines kleinen Bauches an sich bemerkt. Keine Angst mein Sohn, das geht zwar nicht wieder weg, aber wehtun tut's auch nicht. Warte mal erstmal die naechsten Babys ab...

Bewaffnet mit meiner neuen Kamera und immer noch ueberfordert mit den vielen Funktionen an dem Ding, habe ich im August ausgedehnte Fahrradtouren in der naeheren Umgebung unternommen. Meistens lande ich im Minnekhada Park wo sich im Sommer die Baeren in den Blaubeerfeldern den Bauch vollschlagen. Natuerlich gibt es hier nichts, was ich nicht schon tausendmal fotografiert haette, aber mit bis zu 48-facher Vergroesserung muss man nicht mehr so dicht ran an Meister Petz, um vernuenftige Bilder zu schiessen.

Thorsten und AnneBaeren sehen wollten auch Thorsten und Anne. Mein ehemaliger Arbeitskollege Thorsten, mit dem ich schon gemeinsam das Abenteuer "mauern in der Kanadischen Kohlengrube" (siehe August 2008) bestanden habe, hatte jetzt endgueltig die Schnauze voll. Monatelang hat er darauf gewartet, dass ich einen neuen Eintrag ins Tagebuch schreibe. Nichts ist passiert. Da hat er sich kurzerhand entschlossen, gemeinsam mit Freundin Anne, zu uns zu fliegen, um aus erster Hand nun endlich die letzten Neuigkeiten zu erfahren. Da er eine ganze Kiste Bier im Arm hatte als er vor der Tuer stand, haben wir die beiden dann auch reingelassen und 'ne gute Zeit gehabt. Das Wetter war perfekt fuer ein paar schoene Grillabende und auch die Baeren haben sich am Ende ihres Urlaubs gezeigt und fotografieren lassen. Schoen wars mit Euch und Ihr duerft natuerlich gerne wieder kommen um nach dem Rechten zu sehen.

Im August war wirklich 'ne Menge los. Ein weiteres Deutschentreffen in Maple Ridge stand auf dem Programm und weil das Wetter so schoen war, konnten wir uns auch in unserem neuen Garten austoben. Testweise habe ich diesen Sommer ein Planschbecken aufgestellt. Zum einen, um herauszufinden wo die sonnigste Stelle fuer einen eventuellen Swimmingpool ist und zum anderen wollte ich mal sehen, wie die lieben Wildtiere darauf reagieren.
Die Waschbaeren fanden das richtig gut. Tagsueber haben Patrick und ich den "Pool" genutzt, nachts kamen dann die Waschbaeren und haben sich offensichtlich darin vergnuegt. Blick in unseren GartenLeider haben die kleinen Biester keine Badelatschen angezogen und deswegen mit ihren Krallen den Gummipool irgendwann unbrauchbar gemacht. Also fuer naechstes Jahr muss ich mir da wohl was anderes ueberlegen. Aber zumindest kommen die Schwarzbaeren nicht  zum naechtlichen Bad in den Garten. Die begnuegen sich mit unseren Muelltonnen die wir auf der anderen Hausseite stehen haben.
So ein grosser Garten hat in mir den Gaertner geweckt. Ein Steingarten soll in die hintere Ecke und eine kleine Hecke soll irgendwann mal aus den "Sieben Zwergen" wachsen die ich zwischen Planschbecken und Sitzecke gepflanzt habe. Petra kriegt ihr Blumenbeet und trotzdem noch genug Platz. So haben wir uns das vorgestellt. Jetzt muesste es nur noch uns gehoeren...

September 2011
Im September hiess es dann Abschied nehmen. Patrick moechte sein deutsches Abitur machen und ist deswegen zurueck nach Deutschland geflogen. Insgeheim hoffen wir natuerlich, dass es ihm dort nicht gefaellt und er zurueck kommt, aber danach sieht es im Augenblick nicht wirklich aus. Warten wir mal ab.
Aussicht auf Bowen Island. Im Vordergrund das Chan Center.Da meine Gesundheit in den letzten Monaten, seit der vierten Herz-OP im Februar stabil ist, bin ich wieder "back on the tools" was soviel heissen soll: Ich arbeite wieder als Maurer bei der UBC. Der Job als Dispatcher war auch wirklich nicht besonders anspruchsvoll und nur noch schwer zu ertragen. Wieder als Maurer zu arbeiten war zwar nicht unbedingt mein Plan, aber wenigstens kann ich mich jetzt wieder frei auf dem Campus bewegen und mir jeden Tag selbst aussuchen was ich machen will, oder eben auch nicht machen will. Manchmal ist die Aussicht von meinem Arbeitsplatz auch ganz nett. Vergleichbar mit einem Baustellenjob in der "richtigen Welt" ist das Leben auf der UBC sowieso nicht. Obwohl ich natuerlich nach wie vor nach hoeherem strebe und auch von Zeit zu Zeit Bewerbungen schreibe, bin ich ganz zufrieden einen krisensicheren Job zu haben. So brauche ich keine grosse Angst zu haben vor der angeblich bevorstehenden naechsten Weltwirtschaftskrise.
Petra ist auch nach wie vor zufrieden in ihrem Job.

Unser Plan ist ein Heimaturlaub ueber Weihnachten in Deutschland. Allerdings scheint unser Auto da was gegen zu haben. Jeden Monat geht irgendwas anderes kaputt. Wenn das so weiter geht, muessen wir uns wohl trennen von der Schlurre. Aber das ist ja dann eine andere Geschichte, die ich beim naechsten mal weitererzaehlen kann.

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