Neee , ich war nicht zu faul zum schreiben in den letzten 6 Monaten. Ich war
volle Pulle beschaeftigt mit der Uebersetzung der Seiten. Wie der
aufmerksame Besucher am rechten Bildschirmrand erkennt, kann man diese
Internetseiten jetzt in 38 verschiedenen Sprachen lesen. Was glaubt Ihr
wieviel Arbeit das war...
Spass beiseite - klar war ich zu faul! Aber die
Sommermonate waren voll dem Canadischen Motto gewidmet: "work hard - play
harder" Und da wir jetzt endlich auch den passenden Garten haben, um dem
Motto zu folgen, war fuer meine schriftstellerischen Erguesse keine Zeit. Nu
aber! Was gibt also neues im Hause Pflueger? Ich versuch mal die Ablaeufe
chronologisch wieder zu geben, sonst komm' ich noch selbst durcheinander:
April
2011:
Die Bilder fuer April sind ja nun schon eine ganze Weile online.
Die Geschichten zum April sind auch schnell erzaehlt: Auf dem Parklatz der
Coquitlam Mall wurde so eine Art Jahrmarkt aufgebaut. Petra und ich sind da
mal ruebergebummelt, aber richtig umgehauen hat uns das nicht. Jedenfalls
nicht zu vergleichen mit den Schuetzenfesten die wir aus Engensen gewohnt
sind und immer bis zum umfallen mitgefeiert haben.
Ein Tagesausflug nach
Gibsons an der Sunshine Coast stand
auch dem Programm fuer April. Die dortige Stadtverwaltung suchte nach einem
Building Inspector. Obwohl ich natuerlich kaum Chancen hatte den Job zu
ergattern, wollte ich mir die Gegend doch mal naeher ansehen, bevor ich mich
bewerbe. Ein niedliches, verschlafenes Fischerstaedtchen und sicherlich eine
traumhafte Umgebung um zu arbeiten und zu leben, wie auf den Bildern zu
sehen ist. Der Ausflug war schoen, aber aus dem Job wurde leider nichts.
Der April hatte aber schon so schoene Tage, dass wir schon ausgiebige
Fahrradtouren unternommen haben. Mit Patrick bin ich am westlichen Ufer vom
Pitt River entlang und ich konnte sogar Petra dazu bewegen aufs Fahrrad zu
steigen. Das ist wirklich immer etwas besonderes!
Mai
2011:
Als kleines Dankeschoen hat Petra dann zu Ihrem Geburtstag auch
gleich einen neuen Fahrradsattel bekommen. Natuerlich mit dem
Hintergedanken, dass ich diesen Sommer oefters nochmal in den Genuss kommen
wollte gemeinsam mit ihr Fahrradtouren zu machen. Mein Plan hat am Anfang
auch ganz gut funktioniert. Fahrraeder aufs Dach montiert und ab nach
Richmond auf den Deich, hiess es im Mai.
Patrick hatte dann im Mai die
Idee zu einer Tour durch das Okanagan Valley. Petra hatte dankend
abgewunken. "Zuviel im Auto sitzen - keine Lust." Ich dagegen lass mich da
bei sowas garnicht lange bitten. Ruckzuck wurde der olle Ford Taurus
gesattelt und ohne festes Ziel gings als reine Maennertour ab ueber die
Berge in Richtung Okanagan Tal. Erster Stop war im Manning Park. Danach
gings weiter in die Wueste nach
Osoyoos was wir ausgiebig erkundet haben und wo wir auch ueber Nacht
blieben. Am naechsten Tag gings mit vielen kurzen Fotostops in Richtung
Norden bis nach Kelowna und von dort aus wieder zurueck nach Vancouver. Mal
eben 1000 Kilometer abgerissen. Patrick ist davon gut die Haelfte der
Strecke gefahren und Petra hat sich schoen geaergert, dass Sie nicht
mitgekommen ist als wir danach erzaehlt haben wie schoen es war und auch die
entsprechenden Bilder gezeigt haben.
Im Mai ist dann auch unser
Entschluss gefasst worden noch einmal umzuziehen. Wir hatten ein Haeuschen
in Port Coquitlam gefunden was zwar renovierungsbeduerftig war, aber einen
riesigen Garten hat, im "Flachland" gelegen und genug Platz fuer uns bietet.
Zudem war die Miete wirklich guenstig.
Juni
2011:
Im Juni stand Patricks "Graduation" an. Das ist praktisch das
Canadische Abitur und wird hier auch entsprechend zelebriert. Um zu
graduieren, also die Berechtigung zu erhalten auf eine Universitaet zu
gehen, muss man im Laufe der 10. , 11. und 12. Klasse genug "credits" (Punkte)
sammeln, indem man gute Noten kriegt. Patrick hatte damit kein Problem und
hat sogar "graduated with Honours" was soviel heisst wie
ueberdurchschnittlich gut. Sein Notendurchschnitt, der bei einer
Unibewerbung zaehlt, liegt bei knapp 90% und ist damit so gut, dass er auch
an der sogenannten Eliteuniversitaet UBC angenommen wuerde. Bloederweise
wird der Canadische Highschool Abschluss aber nicht in Deutschland als
Abitur anerkannt, sondern "nur" als erweiterter Realschulabschluss. Und da
Patrick nach wie vor nicht davon abzubringen ist eine Offizierslaufbahn bei
der deutschen Bundeswehr einzuschlagen, muss er eben noch ein Jahr
Studienkolleg in Deutschland absolvieren und eine sogenannte
Feststellungspruefung bestehen, bevor er auch das deutsche Abitur hat.
Neben den offiziellen Festreden und der Diplomuebergabe die in einem Theater
in Vancouver stattfand, wurde natuerlich auch gefeiert. Es ist wohl an der
Schule ueblich, dass die Absolventen zur Abschlussparty mit einer Limousine
gefahren werden und da hier in Nord Amerika ja bekanntlich alles etwas
groesser ist, faellt natuerlich auch die Limo etwas groesser aus. Bis zu 25
(in Worten: Fuenfundzwanzig!) Sitzplaetze, mehrere Bars, riesiger
Flachbildfernseher sowie 2 kleine TV's, Monsterstereoanlage,
Discobeleuchtung und wat nich alles. Zum Glueck haben sich alle Beteiligten
die saftige Rechnung geteilt was die Kosten dann doch noch im Rahmen
gehalten hat. Spass hat's jedenfalls offensichtlich gemacht und so'ne Sausse
vergisst man dann auch nicht so schnell.
Im
Juni stand dann auch die Renovierung unseres neuen (gemieteten) Hauses an.
Ich weiss, jetzt denkt gleich jeder spontan, selber renovieren obwohl "nur"
gemietet? Im Normalfall ist das auch Sache des Vermieters bzw. Eigentuemers.
Wir haben allerdings unsere eigenen Vorstellungen von Sauberkeit und Ordnung
und wollten nicht lange rumdiskutieren ob z.B. ein Teppich nun ersetzt
werden sollte oder nur gereinigt. Raus mit dem Muell und eine Grundsanierung
durchgefuehrt. Die Vermieter haben dann noch einen neuen Kuehlschrank und
Herd springen lassen und wir haben uns verpflichtet uns um den Garten zu
kuemmern. Kurz gesagt, jetzt haben wir ein Domizil gefunden in dem wir uns
auch langfristig wohl fuehlen koennen. Vermissen werden wir die Aussicht von
unserem Balkon. Dafuer haben wir jetzt einen Garten in dem wir uns austoben
koennen.
Juli
2011
Im Juli sind wir dann umgezogen. Petras Chef war so nett uns ein
entsprechendes Fahrzeug zu ueberlassen und unsere paar Klamotten waren dann
auch relativ schnell von A nach B verfrachtet. Zumal die Entfernung zwischen
den Haeusern nur wenige Kilometer betraegt. Neben einen "Deutschentreffen"
in Maple Ridge Anfang Juli und einer Einweihungsparty bei uns Ende Juli
waren wir dazwischen eigentlich nur damit beschaeftigt uns in unserem neuen
Heim einzurichten. Ein herausragendes Ereignis gibts es denn aber doch im
Juli zu berichten. Ich hab mir einen neuen Fotoapparat gegoennt. Nachdem ich
mir ueber die letzten Monate immer die Kamera von der Arbeit mitgenommen
habe um vernuenftige Bilder zu schiessen, wollte ich jetzt zu Beginn der
neuen Baerensaison endlich was eigenes haben. Eine Canon PowerShot SX130 ist
es geworden. Seit diesem Tag ist natuerlich nichts und niemand vor mir und
meiner Kamera sicher. Ich treibe besonders Petra an den Rand des Wahnsinns
damit, alles zu fotografieren was sich bewegt oder auch im Stillstand nach
meiner Meinung verdient fuer die Nachwelt festgehalten zu werden. Wenn ich
mir dann meine "Werke" danach betrachte muss ich zugeben, dass ca. 90% davon
wirklich lupenreiner Schrott sind, aber hey, jeder Kuenstler hat so seine
verschiedenen Schaffensphasen, oder nicht? Das obenstehende Werk traegt den
Titel "Halbvolles Bierglas auf Gartentisch". Kuenstlerisch wertvoll? Muss
jeder selbst entscheiden. Mehr aus meinem "Gesamtwerk" gibt es in den
Online
Fotoalben.
August
2011
Am 2. August war es dann soweit dass Levi Pflueger das Licht der
Welt erblickt hat. Unser erstes Enkelkind! Wir sind natuerlich stolz wie
Oskar und koennen es kaum abwarten den Luetten zu knuddeln. Die
"Technischen Daten" lauten: 3450 Gramm schwer und 56 cm gross. Das
wichtigste: Mutter und Kind sind wohlauf und quietschgesund! Sebastian, als
Vater, hat die Geburt auch gut ueberstanden.
Wir hatten auch sowas wie
Geburtswehen. Sebastian hatte Order uns sofort zu benachrichtigen, wenn es
losgeht. Das hat er auch gemacht, aber bis zur eigentlichen Geburt sind dann
doch nochmal gut 24 Stunden vergangen. Das hat uns auch hier eine schlaflose
Nacht beschert.
Wie in unserer Familie so ueblich, leidet man als Vater
ja mit und durchlebt die Schwangerschaft praktisch genauso intensiv wie die
Mutter. Bloederweise verliert die Mutter bei der Geburt abrupt an Gewicht.
Beim Vater geht das nicht so schnell. Das kann dann dazu fuehren, dass man
sich nach einigen Schwangerschaften und Geburten etwas von dem entfernt, was
in unserer Gesellschaft faelschlicherweise als Idealgewicht definiert ist.
Gehaessige Menschen fangen dann manchmal sogar an einen "dick" zu nennen.
Auch Sebastian klagt ueber diesen Familienfluch und hat die Ansaetze eines
kleinen Bauches an sich bemerkt. Keine Angst mein Sohn, das geht zwar nicht
wieder weg, aber wehtun tut's auch nicht. Warte mal erstmal die naechsten
Babys ab...
Bewaffnet mit meiner neuen Kamera und immer noch ueberfordert mit den vielen Funktionen an dem Ding, habe ich im August ausgedehnte Fahrradtouren in der naeheren Umgebung unternommen. Meistens lande ich im Minnekhada Park wo sich im Sommer die Baeren in den Blaubeerfeldern den Bauch vollschlagen. Natuerlich gibt es hier nichts, was ich nicht schon tausendmal fotografiert haette, aber mit bis zu 48-facher Vergroesserung muss man nicht mehr so dicht ran an Meister Petz, um vernuenftige Bilder zu schiessen.
Baeren sehen wollten auch Thorsten und Anne. Mein ehemaliger
Arbeitskollege Thorsten, mit dem ich schon gemeinsam das Abenteuer "mauern
in der Kanadischen Kohlengrube" (siehe August 2008) bestanden habe, hatte
jetzt endgueltig die Schnauze voll. Monatelang hat er darauf gewartet, dass
ich einen neuen Eintrag ins Tagebuch schreibe. Nichts ist passiert. Da hat
er sich kurzerhand entschlossen, gemeinsam mit Freundin Anne, zu uns zu
fliegen, um aus erster Hand nun endlich die letzten Neuigkeiten zu erfahren.
Da er eine ganze Kiste Bier im Arm hatte als er vor der Tuer stand, haben
wir die beiden dann auch reingelassen und 'ne gute Zeit gehabt. Das Wetter
war perfekt fuer ein paar schoene Grillabende und auch die Baeren haben sich
am Ende ihres Urlaubs gezeigt und fotografieren lassen. Schoen wars mit Euch
und Ihr duerft natuerlich gerne wieder kommen um nach dem Rechten zu sehen.
Im August war wirklich 'ne Menge los. Ein weiteres Deutschentreffen in Maple
Ridge stand auf dem Programm und weil das Wetter so schoen war, konnten wir
uns auch in unserem neuen Garten austoben. Testweise habe ich diesen Sommer
ein Planschbecken aufgestellt. Zum einen, um herauszufinden wo die sonnigste
Stelle fuer einen eventuellen Swimmingpool ist und zum anderen wollte ich mal sehen,
wie die lieben Wildtiere darauf reagieren.
Die Waschbaeren fanden das
richtig gut. Tagsueber haben Patrick und ich den "Pool" genutzt, nachts
kamen dann die Waschbaeren und haben sich offensichtlich darin vergnuegt.
Leider
haben die kleinen Biester keine Badelatschen angezogen und deswegen mit
ihren Krallen den Gummipool irgendwann unbrauchbar gemacht. Also fuer
naechstes Jahr muss ich mir da wohl was anderes ueberlegen. Aber zumindest
kommen die Schwarzbaeren nicht zum naechtlichen Bad in den Garten. Die
begnuegen sich mit unseren Muelltonnen die wir auf der anderen Hausseite
stehen haben.
So ein grosser Garten hat in mir den Gaertner geweckt. Ein
Steingarten soll in die hintere Ecke und eine kleine Hecke soll irgendwann
mal aus den "Sieben Zwergen" wachsen die ich zwischen Planschbecken und
Sitzecke gepflanzt habe. Petra kriegt ihr Blumenbeet und trotzdem noch genug
Platz. So haben wir uns das vorgestellt. Jetzt muesste es nur noch uns
gehoeren...
September 2011
Im September hiess es dann Abschied nehmen. Patrick
moechte sein deutsches Abitur machen und ist deswegen zurueck nach
Deutschland geflogen. Insgeheim hoffen wir natuerlich, dass es ihm dort
nicht gefaellt und er zurueck kommt, aber danach sieht es im Augenblick
nicht wirklich aus. Warten wir mal ab.
Da meine
Gesundheit in den letzten Monaten, seit der vierten Herz-OP im Februar
stabil ist, bin ich wieder "back on the tools" was soviel heissen soll: Ich
arbeite wieder als Maurer bei der UBC. Der Job als Dispatcher war auch
wirklich nicht besonders anspruchsvoll und nur noch schwer zu ertragen.
Wieder als Maurer zu arbeiten war zwar nicht unbedingt mein Plan, aber
wenigstens kann ich mich jetzt wieder frei auf dem Campus bewegen und mir
jeden Tag selbst aussuchen was ich machen will, oder eben auch nicht machen
will. Manchmal ist die Aussicht von meinem Arbeitsplatz auch ganz nett.
Vergleichbar mit einem Baustellenjob in der "richtigen Welt" ist das Leben
auf der UBC sowieso nicht. Obwohl ich natuerlich nach wie vor nach hoeherem
strebe und auch von Zeit zu Zeit Bewerbungen schreibe, bin ich ganz
zufrieden einen krisensicheren Job zu haben. So brauche ich keine grosse
Angst zu haben vor der angeblich bevorstehenden naechsten
Weltwirtschaftskrise.
Petra ist auch nach wie vor zufrieden in ihrem Job.
Unser Plan ist ein Heimaturlaub ueber Weihnachten in Deutschland. Allerdings scheint unser Auto da was gegen zu haben. Jeden Monat geht irgendwas anderes kaputt. Wenn das so weiter geht, muessen wir uns wohl trennen von der Schlurre. Aber das ist ja dann eine andere Geschichte, die ich beim naechsten mal weitererzaehlen kann.