Da sind doch glatt 5 Monate ins Land gezogen, ohne einen
einzigen Tagebucheintrag von mir. Ich muss deshalb bei allen treuen Lesern um
Verzeihung bitten. Als Entschuldigung koennte ich sicher eine ganze Reihe
von Gruenden anfuehren. Aber lassen wir das lieber. Jetzt habe ich
jedenfalls genug Stoff fuer einen ausfuehrlichen Bericht der letzten Monate.
Mitte
Mai war es endlich soweit. Nach genau 3 Jahren in unserem Apartment, war
Kisten packen angesagt. Wir hatten ein Haus gefunden, was unseren
Anspruechen in Bezug auf Groesse, Lage und natuerlich Mietpreis gerecht
wurde. Das letzte Wochenende im Mai war ein langes und daher perfekt fuer
einen Umzug. Familie Koeder hat kraeftig mit angepackt und so war das
Apartment in 2 Fuhren mit einem mittelgrossen U-Haul Miet-LKw ruck zuck verladen und auch wieder
ausgeladen.
Wir haben 2 Brueder in den zwanzigern als Mitbewohner unter uns, aber ausser
der Playstation hin und wieder, hoeren und sehen wir von den beiden so gut
wie nichts. Einer von den beiden bastelt auch an Autos rum bzw. schlachtet
diese offensichtlich aus und verkauft die Einzelteile, aber auch das ist
nicht weiter stoerend.
Richtig genossen haben wir ueber die Sommermonate den Balkon mit dem
atemberaubenden Ausblick auf die Berge und den Pazifik und den Garten. Man
koennte fast Park dazu sagen, wenn er nicht so klein waere. Das einzig
wirklich problematische ist die Hanglage. Wie erwartet, ist das fuer mich
als Autofahrer weniger das Problem. Petra und Patrick finden es allerdings
nicht wirklich lustig staendig den Berg besteigen zu muessen. Ich hab das
auch einmal probiert, aber wo liegt der Sinn in der Quaelerei wenn
man auch Auto fahren kann?
Das Datum fuer den Einzug war unabsichtlich sehr guenstig gelegt. Ende Juni war naemlich das alljaehrlich stattfindende Nachbarschafts-Strassenfest angesetzt. Die Strasse wurde kurzerhand gesperrt (mit behoerdlicher Genehmigung natuerlich) und dann wurden auf der Strasse Grills, Sitzbaenke und Stuehle aufgebaut. Jeder hat was mitgebracht und selbst Alkohol war an diesem Tag in unserer selbst abgeschirmten Oeffentlichkeit geduldet. Die Nachbarn sind durch die Bank alle nett und die Party ging bis in die spaeten Abendstunden. Mein Vorschlag, den ich beim Abschied gemacht habe: "Lasst uns das einmal die Woche machen und nicht nur einmal im Jahr" haben die guten Leute allerdings nicht weiter verfolgt. Mich nimmt hier einfach keiner ernst.
Petra
hat einen Job! Es hat zwar etwas gedauert und es ist erstmal auch nur halbe
Tage, aber immerhin ein Anfang ist gemacht. Sie arbeitet jetzt in Vancouver
bei einer Gebaeudereinigungsfirma als Administrative Assistant, was so viel
heisst wie Buerohilfe.
Petras practice firm Kurs beim Douglas College ging von Maerz bis Juni.
Danach war keine Anwesenheitspflicht mehr, aber sie konnte jederzeit
hingehen um sich Tips und Unterstuetzung zu holen. Die Zeit von Juni bis
Ende September hat Petra sich die Finger wund recherchiert und mehr als 200
(in Worten zweihundert!) Bewerbungen geschrieben und verschickt. Ich habe,
um ihr ein bisschen zu helfen, extra eine zusaetzliche Seite in unsere
Internetseiten eingebaut. Wer moechte, kann
hier nach Jobs suchen die von Behoerden und grossen Firmen im Grossraum
Vancouver ausgeschrieben werden.
Petra hatte auch einige Bewerbungsgespraeche, aber so richtig wollte einfach
keiner anbeissen. Bis letzte Woche dann endlich die erloesende E-mail mit
dem Jobangebot in ihrem elektronischen Postfach lag. Jetzt faehrt sie jeden
Tag mit Bus und Bahn nach Vancouver rein und ist genauso lange unterwegs wie
ich zur UBC. Wenn sich diese Verhaeltnisse festigen wuerde es natuerlich
Sinn machen etwas dichter an unsere Arbeitsstaetten zu ziehen, aber erstmal
abwarten was noch so alles passiert.
Ende Juni war es dann auch soweit das
Patrick sein Weihnachtsgeschenk eingeloest hat. Zur Erinnerung: Der
Weihnachtsmann hatte ihm eine Flugstunde in einer Cessna geschenkt. Der Clou
daran, er sollte selber den Steuerknueppel in die Hand nehmen und mit Hilfe des
Fluglehrers rausfinden, ob er Flugtauglich ist oder nicht. Schnupperflug
nennt das die Flugschule. Schauplatz war
der Flugplatz in Langley, etwa eine halbe Autostunde von uns entfernt. Der
Fluglehrer entpuppte sich als ziemlich junge Lehrerin and so war Patrick natuerlich umso aufmerksamer. Nach anfaenglichen Startproblemen ging's dann
irgendwann los Richtung White Rock, einer Ortschaft direkt am Pazifik und
der Grenze zur USA.
Patrick
hat seine Sache offenbar gut gemacht. Die Fluglehrerin war jedenfalls
beeindruckt und haette ihn natuerlich am liebsten sofort als Flugschueler
aufgenommen. Ausser dem Start und der Landung hatte Patrick die ganze Zeit
die Kontrolle ueber die Maschine und offensichtlich auch seinen Spass dabei.
Die 10 bis 15 tausend Dollar die der Pilotenschein kosten wuerde, muesste
Patrick sich allerdings selbst verdienen. Leider ein bisschen happig fuer
einen Schueler.
In Sachen Berufsfindung sind wir auch ein Stuecken
weiter gekommen. Patricks Wunsch zurzeit ist ein Studium in Deutschland. Das
Problem, dass er kein Abitur anerkannt bekommt mit seinem kanadischen
Highschoolabschluss ist aber immer noch aktuell.
Der Schulabschluss den er hier in Canada voraussichtlich erreichen
wird und der ihn zu einem Studium an jeder kanadischen Universitaet
berechtigt, wird in Deutschland nur als erweiterter Realschulabschluss
anerkannt. Nachlesen kann man das auf den Seiten der "Zentralstelle für
ausländisches Bildungswesen (ZAB) beim Sekretariat der Ständigen Konferenz
der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK)"
in der Datenbank
anabin.de
Wie kriegt man nun das deutsche Abitur wenn man in Kanada lebt? Eine
Moeglichkeit bestuende darin, erfolgreich ein Jahr lang in Kanada zu
studieren. Dann haette Patrick in seinem gewaehlten Studiengang Zugang zu
allen deutschen Hochschulen. Mit einem kandischen Bachelor Abschluss haette
er dann sogar die allgemeine Hochschulreife. Eine andere Variante ist es,
ein Studienkolleg in Deutschland zu besuchen.
Patrick hat seinen 8 woechigen Deutschland Urlaub in vollen Zuegen genossen.
Er hat erstmal Sabrina in Regensburg besucht, hat dann ein paar Tage in
Muenchen verbracht und gelernt wie man Massbier trinkt um danach nach
Engensen zu fahren und den Rest seines Urlaubs dort zu verbringen und
natuerlich das Schuetzenfest kraeftig mitzufeiern. Nach seinem Urlaub
stand fuer ihn dann auch ziemlich fest, dass es das Studienkolleg in
Deutschland sein wird, was er im Sommer 2011 anpeilt. Hier gilt fuer mich
wieder mal die Devise: Auf alle Eventualitaeten so gut wie es geht
vorbereiten und dann abwarten und Tee trinken.
Waehrend Patrick in Deutschland war, haben wir Besuch aus Deutschland empfangen. Sabrina und ihr Freund Arthur haben uns besucht. Arthur konnte leider nur 2 Wochen bleiben. Sabrina war hier um ein laengeres Praktikum in der beruehmten Vancouver Art Gallery zu absolvieren. Sabrina war ja nun schon zum dritten mal zu Besuch. Ihr Freund Arthur kannte Vancouver auch von einem Praktikum, das er hier vor einigen Jahren absolviert hatte. Egal, das volle Touristen Besuchsprogramm wurde abgerattert und wir haben Arthur in seinen 2 Wochen mehr von Vancouver und Umgebung gezeigt, als er in seinen 6 Monaten Praktikum gesehen hatte. Vancouver Island stand auch auf dem Programm. Als Ausgleich hat er mir gezeigt wie man angelt, aber das steht in einem anderen Absatz. Sabrina hat sich erfreulicherweise sogar den Campus der UBC angesehen, mit einem Kunstgeschichte Professor gesprochen und war doch recht angetan von der UBC und ihrer einmaligen Lage. Sie zieht jetzt sogar in Erwaegung sich fuer ihr Masters Studium an der UBC zu bewerben. Allerdings wird sie sich auch an anderen Uni's in Europa bewerben und ich soll mir gar keine allzu grossen Hoffnungen machen, dass sie naechstes Jahr nach Vancouver kommt um zu studieren. Mach ich auch nicht, aber schoen waers trotzdem. Im Fruehjahr/Sommer 2011 wissen wir mehr.
"Halt mal an!" schreit Petra, als wir im Auto sassen und
grade auf dem Weg zu IKEA waren. "Ich hab da was gesehen." Ich ahnte schon,
dass kann nichts gutes heissen. Wir waren an einem "Garage Sale" vorbei
gefahren. Ein Garage Sale ist praktisch ein privater Flohmarkt den
Hausbesitzer auf ihrem eigenen Grundstueck veranstalten, wenn sie ihre alten
Sachen verkaufen wollen oder umziehen. Fuer mich ungefaehr so interessant
wie das Testbild im Fernsehen, fuer Petra aber eine willkommene Abwechslung. Eine
echt(?) antike Sitzgruppe inclusive Anrichte war Petra im vorbeifahren ins
Auge gefallen. IM VORBEIFAHREN! Meine Frau, die sonst gerne mal darueber
klagt, dass sie eigentlich so gut wie nichts mehr sieht und unbedingt eine
Brille braucht, kann in wenigen Sekunden aus einen fahrenden Auto heraus
erkennen, dass es sich genau um die Moebel handelt nach denen sie schon sooo
lange sucht. Was sollte ich machen? Ich musste umdrehen um Petra eine
genauere Ueberpruefung der Moebel zu ermoeglichen. Ich habe ungefaehr 10
Sekunden gebraucht um fuer mich zu entscheiden, dass ich die Moebel nicht
mag. Petra brauchte nur rund 20 Minuten laenger um zu dem Schluss zu kommen,
dass ich keine Ahnung habe und das es sich um echtes Schnaeppchen handelt
was wir unbedingt mitnehmen mussten. Ich habs schon mal gesagt:
Mich nimmt hier einfach keiner ernst. Jetzt sitzen wir also auf angeblich
antiken Stuehlen an einem angeblich antiken Esstisch und jedes mal wenn ich
mich bewege knarren die ollen Stuehle (Anmerkung von Petra: Weil er sich
staendig hin und her bewegt!) was Petra dazu
veranlasst mich anzufauchen: "Sitz gefaelligst still, oder willst du die
Moebel mit Absicht kaputt machen?" (Noe, smile, grins)
"Light duty", das
heisst frei uebersetzt soviel wie leichte Taetigkeiten. Grosse Firmen oder
Behoerden bieten ihren Angestellten so was an. Wenn man also krank oder
eingeschraenkt Verwendungsfaehig ist und seine normalen Taetigkeiten nicht
ausfuehren kann, geht man trotzdem zur Firma und verrichtet eben
Taetigkeiten die man kann. Hintergrund ist der, dass es hier keine
gesetzlich geregelte volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt, wie es in
Deutschland der Fall ist.
Mein Herz hatte sich leider wieder gemeldet. Zur Erinnerung: Die letzte
Operation war im Dezember '09. Ein paar Monate war Ruhe und alles sah danach
aus, dass die OP erfolgreich war. Pustekuchen! Im Mai lag ich wieder mal in
der Notaufnahme um mir den ungeliebten Elektroschock abzuholen. Die
darauffolgenden Wochen wurde es immer schlimmer. Im Juni hatte ich dann die
Faxen dicke. Mein Kardiologe hat mir auf meinen Wunsch hin schriftlich
bestaetigt, dass es besser waere, wenn ich aufhoere als Maurer zu arbeiten
und mir einen Job suchen soll, der koerperlich nicht so anstrengend ist.
Seit dem Tag bin ich also bei der UBC "on light duty". Ich hab meinem
vorgesetzten Manager gesagt, dass ich die ein oder andere Erfahrung mit
Computeranwendungen habe und dass ich es fuer eine gute Idee halten wuerde,
wenn ich mal gruendlich den gesamten Campus unter die Lupe nehmen wuerde um
eine Bestandsaufnahme der notwendigen Reparaturarbeiten zu machen. Es gibt
nicht weniger als rund 600 Gebaeude auf dem Campus von denen allerdings
"nur" rund 220 unter meine Zustaendigeit fallen. Mein Manager fand die Idee
super. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er sonst nicht gewusst haette, was
er mit mir anstellen soll. Nach und nach habe ich mir die gewuenschte
Computerkonfiguration zusammengestellt, und beschaeftige mich seit ein
paar Monaten also abwechselnd am Schreibtisch und bin auf Fotosafari auf dem
Campus. Dieser Job ist aber leider nicht permanent. UBC hat fast 20 tausend
Angestellte. Die Personalabteilung wird gemeinsam mit mir in den naechsten
Wochen nach einer Position suchen, die permanent ist und fuer die ich
qualifiziert bin. Das kann GUT sein, das kann aber genauso gut auch in die
Hose gehen. Dann naemlich, wenn die mich auf eine schlechter bezahlte
Position versetzen. Warten wir's mal ab. Ich werd mich jedenfalls so teuer
wie moeglich verkaufen.
Mittlerweile
bin ich am 24. September 2010 zum dritten mal operiert worden. Die Operation
verlief, genau wie die ersten beiden, gut. Ob sie erfolgreich war, werden
wir erst wieder in ein paar Monaten sehen. Der Kardiologe hat mich schon
darauf vorbereitet, dass es auch eine vierte oder fuenfte OP geben kann.
Schoene Aussichten, aber als Berufsoptimist sehe ich die guten Seiten. Ich
muss, bis auf eine taegliche Aspirin, keine Medikamente mehr nehmen.
Strandkoerbe sind eine Ur-deutsche Erfindung. Fuer Peter und Carola Koeder gehoert dieses Moebelstueck einfach in jeden Haushalt. Auch in jeden kanadischen Haushalt. Familie Koeder hat dann auch ihren eigenen Strandkorb aus Deutschland mitgebracht, als sie vor ein paar Jahren hierher kamen. Weil es sowas hier noch nicht gab, hat die Frau des Hauses, Carola, mittlerweile einen Handel mit Strandkoerben aufgemacht. Peter ist Zimmermeister und baut sich nebenbei auch seinen eigenen Kundenkreis auf. Was ich damit zu tun habe? Ich hatte die Ehre die dazugehoerigen Internetseiten zu basteln. Unter www.BC-Beachchair.ca kann man meine beschraenkten Programmierfaehigkeiten bestaunen und natuerlich auch einen Strandkorb innerhalb British Columbias bestellen.
Deutsche Auswanderer sind ja traditionell
nicht bange, wenn es darum geht ihre Faehigkeiten auch einzusetzen und an
den Mann zu bringen. Koeders sind nicht die einzigen die sich selbstaendig
gemacht haben. Mein Plan sah ja mal aehnlich aus, bis meine Gesundheit mir
einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Es gibt aber immer noch die
Seite German-Craftsmanship.ca.
Markus Rose, seines Zeichens Maurer und Allroundhandwerker uebernimmt hier
Kleinauftraege die er nebenbei abarbeitet.
Familie Graw ist ebenfalls dabei, sich einen Namen als zuverlaessige
Handwerksfirma zu machen. Marco Graw, als gelernter Zimmermann, ist
mittlerweile mit einem kleinen Trupp von Angestellten schwer beschaeftigt.
Seine Frau Doreen schmeisst das Buero und gestaltet nebenbei selbst die
Firmeneigenen Internetseiten. Guckst du hier:
www.grawscarpentry.com
Ich wuensche allen mutigen Jungunternehmern viel Glueck und wuerde mich
freuen, wenn dieser kleine Werbeblock seinen Zweck erfuellt und die
jeweiligen Geschaefte noch ein bisschen mehr ankurbelt.
Als
Patricks Deutschlandurlaub Ende August beendet war, hatte er lieben Besuch
im Gepaeck. Meine Mutter. Die haette sich alleine sonst nicht getraut nach
Kanada zu fliegen. Mit Patrick als Begleitung hat sie sich aber getraut.
Natuerlich musste auch sie in den 3 Wochen in denen sie hier war, das volle
Pfluegersche Vancouver-Touristen-Besuchsprogramm ueber sich ergehen lassen.
Alle bekannten und weniger bekannten Sehenswuerdigkeiten in und um Vancouver
wurden aufs Korn genommen. Da ich nebenbei noch zur UBC musste (ich behaupte
immer noch nicht, das ich bei der UBC A R B E I T E!) konnten wir oft auch
erst am spaeten Nachmittag oder fruehen Abend losziehen. Da es mittlerweile
Baerenzeit ist, haben wir uns mehr als einmal im Minnekhada Park auf die
Lauer gelegt um die Baeren beim Beeren fressen zu beobachten.
Meine Mutter faehrt, genauso wie ich, gerne Fahrrad. Ein Hoehepunkt
ihres Besuchs war sicherlich eine ausgedehnte Fahrradtour am Pitt River
entlang einschliesslich der Umrundung des Minnekhada Parks. Unterwegs hatten
wir dann bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen
Begegnungen mit Kojoten, Seeadlern, und einer Baerenmutter die gemeinsam mit
ihrem Nachwuchs keine 30 Meter vor uns, unseren Weg kreuzte.
Ein Abstecher in die USA rundete dann das Besuchsprogramm ab. Ich denke, es
hat ihr gefallen und vielleicht traut sie sich ja naechstes mal auch ganz
alleine den Flieger zu besteigen um uns nochmal zu besuchen. Wir wuerden uns
jedenfalls freuen.
Was gibt's noch
Berichtenswertes? Ach ja, mein erster selbst geangelter Fisch. Arthur,
Sabrinas Freund, ist Angelexperte. Da ging natuerlich kein Weg dran vorbei,
dass er mit mir und meinem Kumpel Markus zum Angeln fahren musste. Markus
hatte ein Gewaesser in der Naehe von Keremeos auserkoren wo er schon im
letzten Jahr erfolgreich geangelt hatte. Keremeos ist zwar nicht gerade
gleich um die Ecke, aber Autofahren durch die schoene kanadische Landschaft
macht ja auch immer wieder Spass. Die Angeln hatte Arthur schon vorher
professionell praepariert und auch fuer die Koeder war er verantwortlich. Da
wir erst am Abend losgefahren sind, wurde die Aktion also ein Nachtangeln.
Da ich nach wie vor keinen Plan habe wie das alles funktioniert, hat Arthur
mir die voll praeparierte und mit Maden gespickte Angel in die Hand
gedrueckt. Auswerfen kann ich schon alleine!
Wie
nicht anders zu erwarten war, war es nach kurzer Zeit natuerlich auch Arthur
der die erste Forelle am Haken hatte. Markus hatte auch Glueck und als
letzter durfte dann endlich auch ich einen Fisch an Land ziehen. Die
Prozedur die danach kam, betaeuben, erstechen und ausnehmen, musste auch
wieder Arthur uebernehmen. Nix fuer mich! Ich war erst wieder dabei als es
am naechsten Tag darum ging den Fisch zu essen. Hat gut geschmeckt, aber ich
fuerchte ein Angler wird aus mir definitiv nicht.
Whale watching also Walbeobachtungen werden hier in den Sommermonaten praktisch an jeder Ecke angeboten. Wir haben uns das bisher immer verkniffen, weil es nicht ganz billig ist. Ueber 100 Dollar pro Person kostet der Spass. Bei einem Ausflug nach Victoria auf Vancouver Island konnten wir auf der Rueckfahrt mit der Faehre dieses Geld sparen. Neben uns tauchten rechts und links Killerwale auf und haben das Schiff ungefaehr 15 Minuten lang begleitet. Dieses spektakulaere Naturschauspiel fand auch noch in der Abenddaemmerung statt und die besonderen Lichtverhaeltnisse machten die ganze Sache nochmal um eine Klasse besser. Sabrina und Arthur haben von dem ganzen Spektakel nichts mitbekommen, weil sie waehrend dieser Zeit im Bordeigenen Zeitschriftenladen gestoebert hatten und auch den Durchsagen des Kapitaens keine Beachtung geschenkt hatten. Man kann sich vorstellen, wie die beiden sich geaergert haben.
Ueber 2000 Fotos sind in den vergangenen Ereignissreichen Sommermonaten geschossen worden. Meine Familie haenselt mich schon mit dem Spitznamen 'Paparazzi', weil ich alles fotografiere was mir vor die Linse kommt. Ich hab natuerlich strikte Anweisungen nicht alle Bilder hier zu veroeffentlichen, aber die schoensten versuche ich trotzdem rauszufiltern und in kuerze in unserem Fotoalbum freizuschalten.
So, jetzt seid ihr wieder auf dem neuesten Stand, was bei Familie Pflueger in Kanada in den letzten Monaten so im Groben passiert ist. Ich hoffe der Umfang des Berichts macht ein bisschen die lange Wartezeit wieder gut. Mir faellt beim schreiben auf, dass ich immer mehr Probleme mit der deutschen Rechtsschreibung und Grammatik bekomme. Da ich in letzter Zeit sehr viel auf Englisch geschrieben habe, komme ich da langsam wohl ein bisschen durcheinander. Ich bitte um ehrliche Rueckmeldungen, wenn es so schlimm wird, dass das Lesen der Texte schwierig wird.