Der Weihnachtsmann ist zwar schon seit einiger Zeit wieder zurueck zum
Nordpol, aber ich muss zugeben, er war beim letzten mal wirklich fleissig
bei uns. Nachdem wir fast 3 Jahre auf einem IKEA Klappsofa gehaust haben,
hat er uns ein, nach canadischen Verhaeltnissen, anstaendiges Ecksofa
beschert. Diesmal nicht von unserem Hausdesigner, dem schwedischen
Elch. Da ich mit ein paar Nebenjobs noch den ein oder anderen Dollar
dazuverdienen konnte, waren wir auch in der Lage uns einen Fernsehschrank zu
leisten. Unterm Strich haben wir unser Wohnzimmer endlich
eingerichtet. Wie gesagt, fast 3 Jahre haben wir gedarbt.
Patrick hat sein Weihnachtsgeschenk noch gar nicht eingeloest. Sein Traum
ist zur Zeit, eine Pilotenlaufbahn bei der Bundeswehr einzuschlagen. Um seine
Flugtauglichkeit unter Beweis zu stellen, hat der Weihnachtsmann ihm eine
Trainings Flugstunde in einer Cessna geschenkt. Da hat er dann die Moeglichkeit ein echtes Flugzeug in der Luft in Begleitung eines Fluglehrers
selber zu steuern und kann herausfinden, ob das fliegen wirklich was fuer
ihn ist. Ich fuerchte nur, dass wird wieder mal so ein klassisches Eigentor
und ein Pilotenschein wird danach auf Patricks Wunschliste stehen.
Bezueglich Patricks Berufsausbildung bin ich grad in Gespraechen mit der
Bundeswehr, dem niedersaechsischen Kultusministerium und seiner Schule.
Offensichtlich wird der Abschluss an einer canadischen Highschool in
Deutschland nicht als Abitur anerkannt. Fuer eine Offizierslaufbahn bei der
Bundeswehr ist das Abitur aber Voraussetzung. Mit einem Bachelorabschluss
einer canadischen Universitaet koennten wir das Problem loesen, aber wieviel
uns das an Studiengebuehren kostet, muss ich noch rausfinden. Canada hat
selbstverstaendlich auch eine Luftwaffe die Piloten ausbildet. Voraussetzung
dafuer ist aber die canadische Staatsbuergerschaft, die wir (noch) nicht
haben. Ausserdem ist Patrick nicht gerade ein Fan von der Idee bei den
Canadian
Forces zu dienen. Also noch einige Fragen die da zu klaeren sind.
Herzupdate: Wie bekannt hatte ich am 17. Dezember 2009 mein zweites "Herztuning" (Ablation). 4 Wochen spaeter, am 17. Januar lag ich wieder in der Notaufnahme und musste in den normalen Herzrhytmus zurueck geschockt werden. Danach habe ich dann noch ein weiteres Medikament verordnet bekommen. Den restlichen Januar und die meiste Zeit im Februar habe ich dann mehr oder weniger flach gelegen. Die Nebenwirkungen von nun zwei Herzmedikamenten haben mich sprichwoertlich umgehauen. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich erst jetzt, 3 Monate nach dem letzten Tagebucheintrag, wieder mal ein paar Neuigkeiten schreiben kann und waehrend dieser Zeit auch so gut wie keine E-Mails beantwortet habe. Zur Beruhigung: Ich bin die ganze Zeit unter aerztlicher Aufsicht gewesen und seit Anfang Maerz nehme ich nun auch endlich ueberhaupt keine Pillen mehr. Das Herz schlaegt zur Zeit meistens wie es soll und meine Kardiologin ist sehr zuversichtlich, dass der zweite Eingriff sein Ziel erreicht hat und ich von jetzt an keine nennenswerten Einschraenkungen mehr haben soll. Warten wir's ab.
Red Seal. Man kann wohl sagen, dass
ist die Bezeichnung fuer einen Gesellenbrief im Handwerk der in allen
canadischen Provinzen anerkannt wird. Mein jetziger Arbeitgeber, die UBC,
verlangt die Vorlage eines solchen Zertifikates. Eigentlich war das eine
Einstellungsvoraussetzung, aber wir hatten uns darauf geeinigt, dass ich die
Pruefung nachmache. Ich hab zwar bekanntlich den deutschen Gesellenbrief und
sogar den Meisterbrief im Maurerhandwerk, aber das ist hier in Canada nur
lustig bunt bedrucktes Papier und absolut nichts wert.
Am 17. Maerz war es soweit. 125 Fragen, multiple choice, also die jeweils
einzig richtige von 4 vorgegebenen Antworten ankreuzen, 3 Stunden Zeit, 70%
richtige Antworten um zu bestehen. Hoert sich einfach an, oder? Ich hab auch
geuebt, aber ob ich die 70% geschafft habe, weiss ich (noch) nicht. Ich
musste ziemlich oft raten. FALLS ich durchgefallen bin, versuch ich' s
nochmal. Andere haben es schliesslich auch schon geschafft. Meinen Job
verlier' ich deswegen nicht. Ist hoechstens peinlich, aber auslachen
koennten mich nur diejenigen, die diese Pruefung schon geschafft haben. So
viele (Deutsche) sind das meines Wissens nun auch wieder nicht.
Facilities Manager hat die UBC
gesucht. Eigentlich bin ich nicht auf der Suche nach einem neuen Job. Ich
kriege aber fast taeglich automatisch die neuesten Stellenausschreibungen
der UBC als E-Mail um fuer Petra den richtigen Job rauszusieben. Neugierig
wie ich bin, hab ich dann mal gelesen was die Voraussetzungen sind um so
einen eindrucksvollen Titel wie Facilities Manager (frueher hiess das
Hausverwalter) erhalten zu koennen. Das Jahresgehalt ist zwar rund 20.000
Dollar hoeher als mein jetziges, aber in der Stellenbeschreibung stand
nichts, was mich beeindruckt haette bzw. was ich mir nicht auch zutrauen
wuerde und so hab ich beschlossen: schreibste mal 'ne Bewerbung. Gesagt,
getan und in der Bewerbung auf die Kacke gehauen was das Zeug haelt. Zu
meiner Verwunderung wurde ich auch tatsaechlich zu einem Jobinterview
eingeladen. Das Interview wurde von 3 hochkaraetigen Managern durchgefuehrt
die laecherlicherweise Fragen vorlasen, die Sie ganz offensichtlich von der
Personalabteilung vorgelegt bekommen hatten. Mein Respekt vor Managern, der
schon vorher nur auf einem sehr ueberschaubaren Level war, ist durch diese
Tatsache noch etwas mehr gesunken. Am Ende des Interviews durfte ich dann
auch Fragen stellen. Auf meine Frage, ob mein Englisch denn gut genug sei,
um so eine "wichtige" Managerposition auszufuellen habe ich dann auch eine
ehrliche Antwort erhalten. Die Antwort war: Nein, mein Englisch ist nicht
gut genug fuer den Job. Meine sonstigen Qualifikationen und meine
beruflicher Lebenslauf waeren zwar eindrucksvoll, aber fuer diese Position
sind exzellente Kommunikationsfaehigkeiten unabdingbar die ich leider noch
nicht habe.
Als Konsequenz daraus besuche ich seit letzter Woche einen Englischkurs.
Einmal die Woche gehe ich fuer 3 Stunden in einer kleinen Gruppe zu einem
Lehrgang auf dem Campus wo das Englisch verfeinert wird. Das gute daran. Die
haelfte der Zeit ist bezahlte Arbeitszeit und der Kurs wird insgesamt von
der UBC bezahlt. Mit anderen Worten: Ich werde von meinem Arbeitgeber dafuer
bezahlt, besseres Englisch zu lernen. Fuer einen Beamten ist so etwas
wahrscheinlich nichts ungewoehnliches. Fuer mich ist das unglaublich.
Vancouver2010.
Das war der Slogan, der in Vancouver seit gut 12 Monaten ueberall zu lesen
war. Die olympischen Winterspiele waren DAS Grossereigniss auf das Vancouver
sich seit Jahren vorbereitet hatte. (Zur Erinnerung: Ich
habe eigenhaendig am olympischen Dorf mitgearbeitet!) Wir waren also mittendrin,
statt nur dabei. Bloed nur, dass wir uns fuer solche sportlichen
Grossereignisse eigentlich ueberhaupt nicht interessieren. Die Stimmung, das
oeffentliche Interesse und die Berichterstattung der Medien liesen uns
jedoch keine Wahl. Auch wir sind in das Olympiafieber gefallen. Ich habe
mich sogar dazu hinreissen lassen in letzter Minute zwei schweineteure
Eintrittskarten fuer ein Eishockeyspiel mit deutscher Beteiligung zu kaufen.
Patrick und ich hin, Vorrunde, Deutschland gegen Weissrussland. 5:3 fuer die
Weissrussen war der Endstand, aber es ist wirklich ein Unterschied, ob man
so ein Spiel live erlebt, oder im Fernsehen sieht. 8 Dollar fuer ein 0.3L
Bier im Stadion waren aber dann selbst fuer mich des guten zuviel. Ich hab
mir danach eins von meinen "billigen" aus dem heimischen Kuehlschrank
genehmigt. Das 8 Dollar fuer ein Bier noch guenstig waren, haben wir dann
ein paar Tage spaeter lernen duerfen. Die deutschen Bundeslaender Sachsen
und Thueringen hatten in Vancouver ihre eigenen "olympischen Vertretungen".
Das Sachsenhaus war ein angemieteter Ruderclub direkt am Stanly Park und
Thueringen hatte ein grosses Schuetzenfestzelt direkt neben der
Waterfrontstation in Downtown aufgestellt. Ich bin mit Patrick an einem
Sonntagmittag in beide Kneipen rein. Must du einfach machen als Deutscher
vor Ort. 45 Minuten Schlange stehen um ins Sachsenhaus zu kommen, wo
ich so'n Fan bin von Schlange stehen, aber gut. Es war Mittagszeit und
Patrick und ich (wie immer) hungrig. Nach der Schlange vor dem
Sachsenhaus gab's die naechste Schlange im Sachsenhaus. OK, wir
stellen uns an ohne eigentlich zu wissen was es am Ende der Schlange
ueberhaupt gibt. Nach weiteren 15 Minuten konnten wir einen Grill erkennen.
Sauber! Glueck gehabt! Es gab Bratwuerstchen im Broetchen fuer lacherliche 9
Dollar oder Steak mit Beilage fuer nur 12 Dollar. Der Haken an der Sache:
Nur gegen cash, keine Kreditkarten. Ich ahnte fuerchterliches und der Blick
in mein Portemonai bestaetigte meine Ahnung. Ich hatte ganze 13 Dollar
Bargeld bei mir. Gottseidank konnte Patrick noch 5 Dollar beisteuern und so
waren wir in der Lage die bisher teuersten 2 Bratwuerstchen unseres Lebens
zu kaufen. Fuer ein Bier, was ebenfalls fuer schlappe 9 Dollar angeboten
wurde, hat es dann nicht mehr gereicht.
Nachdem wir die Wuerstchen runter hatten und feststellen durften, dass
ansonsten auch nicht wirklich etwas besonderes im Sachsenhaus geboten wurde,
haben wir uns das Thueringerzelt auf's Korn genommen. Natuerlich nicht, ohne
mich vorher mit ausreichend Bargeld einzudecken. Verarschen lass ich mich
nur einmal am Tag.
Die Schlange vor dem Zelt war ungefaehr genauso lang wie vor dem Sachsenhaus,
ging aber deutlich schneller voran. Nach gut 10 Minuten waren wir schon drin.
Koestritzer Schwazbier vom Fass war im Angebot, nur schlappe, na ratet mal,
genau: 9 Dollar das Glas. Wenn man grade eine Bratwurst fuer 9 Dollar
gegessen hat, ist es nur angemessen, die auch mit einem Bier was 9 Dollar
kostet runter zu spuelen. Aber nach einem Bier war Schluss mit der
spaetroemischen Dekadenz. Die Stimmung im Zelt war deutlich olympischer als
im Sachsenhaus. Eine Gruppe von ca. 20 Amerikanern boelkte unentwegt U S A -
U S A - U S A. Die Antwort der restlichen gut 200 Gaeste im Zelt war aber
doch deutlich lauter: CA NA DA - CA NA DA - CA NA DA. Das Endspiel im
Eishockey hat dann ja auch letztendlich eindrucksvoll gezeigt, wessen
Spiel die Amis versucht haben zu spielen. Eishockey is Canadas game!
Sabrina's Wunsch ist es, ein Praktikum bei der Vancouver Art Gallery (Vancouvers Vorzeigemuseum) zu machen. Das passt zu ihrem Studium der Kunstgeschichte und sieht ganz nebenbei natuerlich auch saugeil aus in ihrem Lebenslauf. Nach einigen Wochen hin und her und ein paar Telefonaten mit dem zustaendigen Menschen in der Gallery, hat Sie vor ein paar Tagen nun auch tatsaechlich die Zusage erhalten. Sie kommt uns also wieder besuchen im Sommer. Wir freuen uns natuerlich riesig und versuchen nach wie vor auch unseren Grossen, Sebastian, rueber zu locken. Patrick wird wahrscheinlich in den Sommerferien nach Deutschland fliegen und seinem grossen Bruder hoffentlich dann den Mund so waessrig machen, dass er auch endlich mal nach Canada kommt. Sebastian ist der grosse Angler in der Familie. Patrick und ich haben jetzt zwar mittlerweile zusammen 7 Angeln samt Zubehoer, aber leider haben wir keinen blassen Schimmer wie wir die Fische dazu bringen sollen, auch mal in unsere Koeder zu beissen. Sebastian, du MUSST einfach kommen!
Magers
in Vancouver. Seit den ersten Tagen unserer Nachforschungen ueber Canada
kennen wir die Internetseiten von
Roland und
Sonja Mager. Schon mehrmals haben uns ihre Erfahrungen und Tips geholfen
auf unserem Weg. Die beiden hatte es nach Calgary verschlagen und Sonja war
kuerzlich ein Opfer der Wirtschaftskriese geworden und hatte ihren Job
verloren. Seit kurzem arbeitet sie aber in Vancouver. Wir 3 hatten vor
kurzem ein gemeinsames ausgiebiges Denny's Fruehstueck und die beiden werden
nur ein paar Steinwuerfe von uns entfernt, in Port Moody, heimisch. Herzlich
willkommen Sonja und (hoffentlich bald auch) Roland Mager.
Petra hoert auf mit der Nachtschicht. Die Nachricht des Jahres am Schluss. Seit dem 22. Maerz geht Petra TAGSUEBER zur "Arbeit". Sie ist aufgenommen in einem Kurs des Douglas Colleges der canadische Arbeitserfahrung vermittelt. Die naechsten 3 Monate verrichtet Sie allgemeine Bueroarbeiten in der (fiktiven) Firma wwtc. Durch die Teilnahme an dem Kurs, der ihr sichtlich Spass macht, bekommt Sie canadische Arbeitserfahrung. Das widerum kann Sie dann in ihren Bewerbungen angeben. Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass Petra einen tagsueber Buerojob ergattern wird. Meinen Teil, um Sie bei der UBC reinzubringen tue ich.
Der Fruehling hat bei uns schon seit Wochen Einzug gehalten. Es ist wieder an der Zeit die Umgebung zu erkunden. Die weissen Flecken auf unserer persoenlichen Karte werden dabei aber immer kleiner. Es gibt im Grossraum Vancouver nicht mehr viele Ausflugsziele die wir in den letzten 3 Jahren noch nicht erkundet haben. Eine Stelle haben wir heute wieder abgehakt. Wreck Beach, den Nackedei Strand am Westende der UBC. Bei warmen Temperaturen und Sonnenschein konnten wir uns (angezogen) am Strand luemmeln und ein paar Verrueckten zugucken, die im saukalten (ca. 8 Grad) Pazifik geschwommen sind und ein Exemplar der maennlichen Gattung Nudistica dabei bewundern, wie er mit einem Hulla-Hup Reifen alles moegliche an sich zum schwingen brachte.
Das Jahr wird gut, dass haben wir im Gefuehl. Ich werd in kuerze noch das Fotoalbum aktualisieren und mich in Zukunft wieder oefters melden. Versprochen!