Tschuess Deutschland - Hello Canada

Von Engensen nach Vancouver - Familie Pflueger geht nach Canada!

Ereignisse im August 2008

Petra wieder da - Patrick auf Konfafahrt - Neues (altes) Auto - Arbeiten in der Wildnis - Pässe wieder da, PR ist in greifbarer Nähe.  

Bild Sie ist wieder da! Zwar nicht wirklich begeistert wieder in Canada zu sein, aber doch ein bisschen froh mich wieder zu sehen ist Petra wieder heile in Vancouver gelandet. Patrick hat sich fast 8 Wochen Urlaub in Deutschland gegönnt, aber auch der ist mittlerweile wieder da. Allerdings hat Patrick nur ein paar Tage mit uns verbracht. Am Sonntag morgen ist der schon wieder zu einer 1-wöchigen Konfirmanden-Freizeit auf Thetis Island aufgebrochen. Die kleine Insel ist Vancouver Island vorgelagert und da wird es Patrick sicher nicht langweilig ohne Fernseher, Playstation und Computer. Auf dem Programm stehen Bibelstunden, Wanderungen, Schwimmen, Kajaktouren und was weiß ich noch alles.

So ganz ohne Auto geht's wohl doch nicht. Ich fahre zwar nach wie vor mit Bus und Skytrain zur Arbeit, aber wir haben uns dazu durchgerungen wieder ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Allein der wöchentliche Einkauf wiegt manchmal fast soviel wie ich. Den Einkauf dann ohne Auto nach Hause zu kriegen ist nicht wirklich lustig. Also haben wir etwas in der Craigslist gestöbert und wieder einen Ford Taurus Kombi gefunden, der uns zusagte. Diesmal von privat und aus erster Hand. Sehr gut gepflegt und nur verhältnismäßig wenige Kilometer auf dem Tacho denn 147.000 KM gelten hier fast noch als Neuwagen. Wir hoffen jetzt erstmal für 1-2 Jahre Ruhe zu haben, aber in den alten Karren steckt man ja bekanntlich nicht drin.

Arbeiten "out of town" war angesagt. Die Firma hatte wohl mit einem mittelgroßen Sommerloch zu kämpfen. Chefetage und Bauleiter beteuerten zwar, dass man Aufträge ohne Ende hätte, aber zeitlich passte das angeblich nicht nahtlos aneinander. Ich sollte einige Tage oder sogar länger Zuhause bleiben, ohne Bezahlung versteht sich. In meiner mir eigenen unwiderstehlich charmanten und höflichen Art habe ich daraufhin den Bauleiter noch mal daran erinnert, dass ich immer noch mit einem workpermit arbeite, das es mir unmöglich macht woanders zu arbeiten um den Lohnausfall auszugleichen. Sollte die Firma also tatsächlich keine Arbeit haben, würde ich mich umgehend um ein neues workpermit und somit auch einen anderen Arbeitgeber bemühen müssen. Nur wenige Stunden später klingelte das Telefon und auf einmal war wieder Arbeit da. Komisch wie schnell sowas manchmal geht.
Nach ein paar Tagen Flick hat mein Chef mich dann gefragt, ob ich auch außerhalb arbeiten würde. 10-12 Stunden pro Tag 14 Tage am Stück irgendwo an der Grenze zu Alberta. "Klar" hab ich gesagt, "bevor ich hier überhaupt keine Arbeit habe."

BildAm Freitag, den 25. Juli ging es dann los, am 9. August sollten wir wieder zu Hause sein. Wir, das waren mein Kollege Thorsten und meine Wenigkeit. Mit dem Flugzeug ging es von Vancouver nach Cranbrook. Mann, kommt man sich da wichtig vor. Als Maurer samt Werkzeug wirst du hier 1000 Kilometer durchs Land geflogen weil es nicht genug von deiner Sorte gibt. Das erzähl mal einem in Deutschland.

In Cranbrook hat uns der Foreman in Empfang genommen und nach Sparwood gefahren, wo unsere Unterkunft für die nächsten 2 Wochen war. Ein Motel an der Hauptstrasse - Qualität: naja. Zumindest hatte aber jeder sein eigenes Schlafzimmer und eine Kitchenette war auch drin. Alles so ein bisschen "angeschmuddelt" aber was willste machen. Sparwood liegt am Eingang des Elkvalleys zwischen dem bekannten Wintersportort Fernie und dem Ende der Welt: Elkford. Eigentlich wunderschön gelegen, wenn da nicht die riesigen Tagebau-Kohlenmienen wären. Am nächsten morgen wurden wir abgeholt und lernten auch die anderen beiden Kollegen kennen. Die eigentlich Baustelle war in einer der besagten Kohlenmienen der Elk Valley Coal rund 70 Kilometer von Sparwood entfernt. 1 Stunde Fahrt morgens und abends durch die fast Menschenleere Bergwelt der Rocky Mountains. Andere müssen sich dafür ein teures Wohnmobil mieten, wir hatten das umsonst. Wir haben nahezu täglich einen Querschnitt der dort vorkommenden Arten gesehen. Rehe, Hirsche, Elche, Kojoten, Chipmunks, Weißkopf Seeadler und eines Morgens stand sogar ein riesiger Inder mit Turban in der Tankstelle wo wir morgens immer unseren Kaffee holten. Das Highlight war allerdings ein ausgewachsener Cougar (Berglöwe bzw. Puma) der nur ein paar Meter vor unserem Auto die Fahrbahn kreuzte. Selbst unser Foreman, der in der Gegend aufgewachsen ist, konnte sich nicht erinnern jemals einen lebenden Puma in freier Wildbahn gesehen zu haben. Das einzige was wir nicht gesehen haben, waren Bären. Angeblich sollte es die dort in allen Farben, Größen und Arten geben, aber wenn wir kamen, hatten die wohl immer grade Pause oder schon Feierabend.
Was wirklich störend war, war die Zeit zwischen 6.00 Uhr morgens und 18.00 Uhr Abends. 10-inch Blocks legen in der Kohlenmiene. Das ganze bei überwiegend strahlendem Sonnenschein mit Temperaturen um die 30°C. Dank der genialen Anzugordnung konnte ich mir nur die Unterarme und das Gesicht verbrennen. Kurze Hose oder gar ein freier Oberkörper waren auch in der Miene verboten. In Sparwood steht der größte LKW der Welt als Touristenattraktion. In der Miene fahren diese Monster Trucks tatsächlich rum. Die Dinger sind größer als ein Einfamilienhaus und wirbeln beim rumfahren natürlich auch ordentlich Staub auf. Staub, den wir einatmen durften und Abend für Abend wieder aufs Neue runterspülen mussten. Das war manchmal anstrengender als Blocks legen. Eine der wenigen Abwechslungen die wir uns gegönnt haben, war ein Ausflug mit dem Firmen Truck in die nähere Umgebung. Auf Fotosafari in den Rocky Mountains - schön war´s. Bei der ganzen Maloche und den abendlichen Spülvorgängen blieb mir aber gar keine Zeit mehr mich zu rasieren. Jetzt laufe ich mit einem Vollbart durch die Gegend. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass Petra den sofort wieder runterhaben wollte, aber Pustekuchen. Die findet das gut - jedenfalls noch...

BildAm 9. August war der Spuk dann endlich vorbei. Ich habe das erste mal in meinem Leben 18 Tage am Stück ohne freien Tag dazwischen durchgearbeitet. Die Überstunden die sich da angesammelt hatten, waren zwar ganz nett, aber da ich danach erstmal ein paar freie Tage zum verschnaufen brauchte, ist nicht wirklich viel dabei übrig geblieben. Eine freundliche Einladung der Chefetage die Baustelle für die nächsten 6 Monate in dem Takt (21 Tage Arbeit - 7 Tage frei) zu beenden, habe ich dann ebenso freundlich abgelehnt. Jetzt ist auch wieder in Vancouver Arbeit da. Die Bilder von dem Abenteuer sind schon eine ganze Weile in unserem Fotoalbum zu sehen. Im Album Baustellenbilder sind auch noch einige Aufnahmen aus der Kohlenmiene.
Unsere Reisepässe hatten wir gleich nach Patricks Ankunft in Vancouver per Kurier nach Berlin in die Kanadische Botschaft geschickt. Nach genau einer Woche hatten wir die schon wieder. Wir müssen jetzt noch einmal Canada verlassen und an der Grenze ganz offiziell immigrieren, dann haben wir wohl unsere permanent residence sprich PR. Wir werden das an diesem Wochenende erledigen. Bis zur US Grenze ist es von uns aus nur ein Katzensprung. Wenn alles gut geht, haben wir dann einen Grund zum Feiern. Und da wir dann "frei" sind, bleibt es bei uns spannend....

Wir sind PERMANENT RESIDENTS!

"Congratulations. You are now officially permanent residents of Canada!" Es ist Freitag, der 29. August 2008 um 18:45 Uhr als die Beamtin der canadischen Grenzbehörde uns gratulierte.

Wir haben Patrick nachmittags von der Kirche abgeholt wo er von seiner 1-wöchigen Konfirmandenfreizeit zurückgekehrt war. Als Grenzübergang hatte ich mir vorher per WebCam Huntington in Abbotsford ausgesucht. Das ist zwar etwas weiter weg als der Grenzübergang in White Rock, aber dafür hat man da kaum Wartezeit zu befürchten. Dies Wochenende ist nämlich ein langes Wochenende weil am Montag ein Feiertag ist. Labour Day, so was wie der Tag der Arbeit in DE. Warum man überhaupt Canada erstmal verlassen muss um nach Canada zu immigrieren hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, aber ist mir jetzt auch wurschtegal.
Am Grenzübergang in die USA war wirklich nichts los. Keine 10 Minuten Wartezeit und wir standen im Grenzhäuschen der Amis. Nach kurzem Papierkrieg aber ohne die Visumsgebühren zahlen zu müssen, durften wir umdrehen und wieder nach Canada einreisen. Dort hat die offizielle Prozedur ungefähr 1,5 Stunden gedauert und uns wurde die `confirmation of permanent residence´ in die Reisepässe getackert. Wir müssen jetzt ca. 4-6 Wochen auf die PR Karten warten, die uns per Post zugeschickt werden. Während dieser Zeit dürfen wir Canada nicht auf dem Luftweg verlassen. Allerdings wissen wir jetzt nicht mehr wie wir heissen. Im Nachnamen Pflüger ist in Deutschland ein "ü". Diesen Buchstaben gibt es nicht im englischen. Also haben wir bisher auf allen Dokumenten unseren Namen mit "ue" geschrieben. Die Berliner Botschaft hat aber auf ihrem Formular Pflüger wieder mit ü geschrieben. Jetzt ist der Grenzbeamte auf die glorreiche Idee gekommen die ü-Punkte zu streichen. Also sollten wir bei der Unterschrift auch nur Pfluger schreiben und werden jetzt wohl auch auf den PR-Karten Pfluger stehen haben. Auf der Drivers License steht Pflueger und im deutschen Reisepass Pflüger. Wenn das mal nicht noch zu weiteren Verwirrungen führt - na mal abwarten.

Jedenfalls bin ich jetzt heilfroh "frei" zu sein. Wir können uns jetzt in ganz Canada niederlassen wo wir wollen und auch unseren Arbeitgeber frei wählen und sind nicht länger mit der Arbeitsgenehmigung (work permit) an einen Arbeitgeber gebunden. Außerdem kann man jetzt auch selbstständig tätig werden, und hat eigentlich fast alle Rechte und Pflichten wie ein canadischer Staatsbürger. Wählen dürfen wir nicht und gewählt werden auch nicht. Dafür müssen wir die canadischen Staatsbürgerschaft beantragen. Das geht wiederum erst, wenn man mindestens 3 Jahre PR Status hat. Genug Zeit, um sich zu überlegen ob wir den Schritt auch machen wollen.

Sabrina wird uns voraussichtlich im November besuchen und dann mindestens einige Wochen vielleicht sogar Monate bleiben. Sie bekommt bei der Einreise auch den PR-Status. Petra versucht gerade mit Hilfe von unserer guten Bekannten bei der Simon Fraser University - SFU einen Job zu bekommen. Hoffentlich klappt das, damit die Scheiß Nachtschicht endlich ein Ende hat. Ein zusätzlich attraktiver Nebeneffekt wäre natürlich, dass unsere Kinder dann erheblich günstiger bei der SFU studieren könnten.

Jetzt wollen wir auch endlich aus dem Apartment raus. In den nächsten Wochen werden wir mal verstärkt den Häusermarkt in der Umgebung im Auge behalten. Heute waren wir schon in Maple Ridge auf der Pirsch. Die Mieten sind dort zwar billiger, allerdings ist das verkehrstechnisch zur Zeit noch nicht wirklich eine Verbesserung. Bis zur Fertigstellung der Golden Ears Bridge über den Fraser River dauert es leider noch einige Zeit. Es ist viel in Bewegung und wie gesagt - es wird nicht langweilig bei uns.

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