Unser
Antrag auf permanent residence (Daueraufenthaltsrecht) in Canada läuft
eigentlich seit Juli ´07. Vor kurzem haben wir die Aufforderung der
canadischen Botschaft in Berlin erhalten polizeiliche Führungszeugnisse aus
Canada nachzureichen. Da wir schon länger als 6 Monate in Canada leben ist
das Pflicht. Die Führungszeugnisse haben wir auf der örtlichen
Polizeistation beantragt und auch sofort mitnehmen können. Allerdings sind
die hier etwas teurer als in DE. 55 Dollar haben wir pro Nase blechen
müssen. Ganz schön happig für´n leeres Blatt Papier mit unseren Namen drauf.
Jetzt sehe ich gelegentlich im Internet auf
dieser offiziellen Seite der canadischen Immigrationsbehörde
CIC
nach wie weit die Bearbeitung denn nun fortgeschritten ist. Wir hoffen, dass
wir spätestens zum Herbst oder Winter 2008 den PR Status bekommen.
Unsere Steuererklärung haben wir machen lassen. Ein
Berater von H&R Block
hat die notwendigen Formulare für uns ausgefüllt und an das Finanzamt
geschickt. Wir mussten nur unterschreiben und natürlich den Berater
bezahlen. Ich denke allerdings, im nächsten Jahr kriege ich das alleine auf
die Reihe. Das
canadische
Finanzamt bietet eine online Steuererklärung an, die man mit einer dafür
zugelassenen Software durchführen kann und bei der man eine möglich
Steuerrückzahlung innerhalb von 8 Tagen erhält. Beim ersten mal dauert es
allerdings 2-3 Monate...
Patrick fährt jetzt auch Auto. Er hat er überhaupt keine
Angst sich hinters Steuer zu setzen und einfach loszufahren. Für diese
zugegeben nicht ganz legale Aktion habe ich eine unbefahrene Nebenstraße in
Flughafennähe in Richmond ausgewählt. Geradeausfahren, Rückwärtsfahren und
mit Vollgas und durchdrehenden Reifen anfahren standen auf dem Lehrplan. Hat
er alles sauber hingekriegt. Beim nächstenmal üben wir dann Kurven fahren
und Vollbremsungen machen. Mehr muss man doch nicht wissen, oder?
Schließlich kann er hier schon mit 16 Jahren anfangen ganz legal Auto zu
fahren. Früh übt sich.
Nachdem
ich wochenlang auf ihn eingeredet hatte, dass er endlich seine Haare
schneiden lassen sollte, weil er mittlerweile aussieht wie ein Wookie (siehe
Chewbacca aus StarWars), durfte ich zu Beginn der Osterferien endlich
die Hauseigene Scheermaschine ansetzen. Das Ergebnis sieht man unten auf dem
Bild und aus den abrasierten Haaren strickt Petra sich gerade einen Poncho.
Petra fühlt sich ganz wohl auf ihrer Arbeit. Die Arbeitszeiten sind natürlich Kacke, aber ihr macht der Job Spaß, sie bekommt auch ständig Lob und ist morgens pünktlich Zuhause wenn ich los muss. Wir haben dann noch rund 10 Minuten in denen Sie mir erzählt was los war bevor ich starten muss. Sie schläft vormittags und geht nach wie vor fleißig nachmittags zu ihrem Englischkurs wo sie zu allem Überfluss auch noch Hausaufgaben aufkriegt. Ich kann davor nur meinen Hut ziehen. Ich weiß nicht, ob ich das mitmachen würde.
Ich habe bereits Mitte November letzten Jahres bei meinem Chef angefragt, ob er mit mir zufrieden ist und ob für mich eine Karriere in Richtung Polier oder Bauleiter möglich ist. "Ja" wurde mir versichert, alles Super. Man ist mit mir zufrieden und kann sich auch vorstellen, dass ich, nach entsprechender Einarbeitung, als Polier oder Bauleiter arbeiten könnte. Als ich jetzt allerdings, 4 Monate später, durch Zufall auf eine Stellenanzeige in der Zeitung stiess in der mein Arbeitgeber nach Helfern, Maurern und Polieren sucht, konnte ich es mir nicht verkneifen noch mal eine Kurzbewerbung als Fax nachzusenden. Sozusagen als kleine Erinnerung. Mal sehen, ob es eine Reaktion gibt, oder ob mir hier nur das Blaue vom Himmel versprochen wird...
Eine andere Variante hatte ich bereits auf der Weihnachtsfeier mit meinem BigBoss diskutiert. Mein Arbeitgeber hat unter anderem im Öl-Eldorado Fort McMurray auch eine Niederlassung. Dort, wo Canada die zweitgrößte Erdölreserven der Welt in Form von Ölsand beherbergt, ist zur Zeit Goldgräberstimmung. Gearbeitet wird dort in Schichten von 20 Tagen am Stück, ohne Sonntage, Feiertage oder sonstige Unterbrechungen. Jeden Tag 12 Stunden - danach 8 Tage frei. Durch die Überstunden die dadurch anfallen, kann man dort auf ein ganz ansehnliches Einkommen kommen. Mein Boss hat mir gesagt: "Wenn du dort arbeiten willst, mache ich das möglich." Aber Petra findet die Idee nicht wirklich berauschend 20 Tage alleine zu sein. O-Ton: "Wofür bin ich denn nach Canada gekommen, wenn ich dann hier trotzdem allein bin?" Wenn ich mir auf den offiziellen Klimatabellen die Temperaturen im Winter ansehe die auch schon mal auf minus 50 Grad fallen, bin ich auch nicht wirklich sicher, ob ich da arbeiten will.
Einen Zahnarzt haben wir mittlerweile gefunden. Petra und Patrick gehen zu der gleichen Zahnärztin wie ich und sind auch zufrieden. Um auch endlich mal einen Hausarzt zu konsultieren, habe ich für Petra Anfang April einen Termin gemacht. Ist ja vielleicht nicht verkehrt einen Ansprechpartner in Sachen Gesundheit zu haben. Bei einem mehr oder weniger unfreiwilligem Besuch der örtlichen Notaufnahme des Krankenhauses konnte ich mich wieder mal von der Leistungsfähigkeit des canadischen Gesundheitssystems überzeugen. Langsam könnte man glauben ich bin als "Gesundheitssystemtester " in Canada und nicht als Maurer. Aber hier ist die ganze Story:
Am
Dienstag war ich auf der Arbeit schon nach 3 Stunden am Ende. Vollkommen
durchgeschwitzt und ständig aus der Puste habe ich beschlossen es gut sein
zu lassen und nach Hause zu gehen. Nachmittags bin ich dann zu einem Arzt
der mich wiederum umgehend in die Notaufnahme des nahegelegenen
Krankenhauses geschickt hat. Dort bin ich dann innerhalb von 5 Minuten dran
gekommen um meine Personalien anzugeben und nach weiteren 10 Minuten war ich
bereits am einem EKG angeschlossen. Nach nochmal rund höchstens 15 Minuten
wurde ich dann aufgerufen und als Patient im "emergency room" aufgenommen.
Dort wurde ich dann professionell versorgt und konnte noch am selben Abend
wieder nach Hause. Aber das beste daran: An keiner Stelle wurde ich nach
Geld gefragt. Alles kostenlos.
Es gibt im Internet immer wieder Berichte über das Gesundheitssystem in
Canada zu lesen die nicht so positiv sind. Ich persönlich kann allerdings
bisher nicht klagen. Da muss wohl jeder seine eigenen Erfahrungen machen.
Wie so oft, lässt sich auch hier nichts verallgemeinern.
Das zurückliegende "Deutschentreffen" war wieder sehr gut besucht. Rund 50 Personen waren da. Das nächste mal werden wir wohl in die freie Natur ausweichen. Es ist wirklich erstaunlich wie viele Deutsche allein hier in unserer näheren Umgebung wohnen. Gute Voraussetzungen um evtl. gemeinsame Interessen zu finden, pflegen und zu vertiefen. Wie sagt immer der "Kaiser": Schaumermal.
Ostern wird auch hier gefeiert. Karfreitag ist einer der wenigen Feiertage in Canada. Ostern wird gearbeitet, aber auch diese Regelung kann nicht verallgemeinert werden. Es kommt darauf an, wo man arbeitet. Wie der Osterhase in Vancouver aussieht kann ich nicht genau sagen. Ich habe ihn selbst noch nicht gesehen, aber ich könnte mir vorstellen, dass er asiatische Gesichtszüge hat. Wir lassen uns mal überraschen.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!