Ich
war kurz vor der Baustelle an diesem Morgen. Es war der 15. November kurz
vor 7 Uhr morgens und hinter mir sah und hörte ich plötzlich die Polizei mit
Sirenen und Blaulicht im Rückspiegel. Ich musste sowieso links abbiegen und
dachte so dem Streifenwagen Platz zu machen. Der Streifenwagen bog aber auch
links ab. Um den Freunden und Helfern den Weg frei zu machen fuhr ich an die
Seite und hielt an - der Streifenwagen hielt auch an. Ach du Scheiße, die
waren gar nicht hinter einem Verbrecher her, sondern hinter mir. Was tun?
Ich sah im Rückspiegel den Polizisten auf mich zukommen. Was zum Geier will
der von mir? Bin ich zu schnell gefahren? Habe ich eine rote Ampel
übersehen? Der Polizist fragte mich, ob ich wüsste warum sie mich anhalten.
"Nein, ich habe keine Ahnung." "Ihre Versicherung ist um Mitternacht
abgelaufen." klärte der nette Beamte mich auf. "Das ist ein ziemlich
schwerer Verstoss. Sie können mit dem Wagen nicht mehr weiterfahren, bevor
sie nicht die Versicherung verlängert haben und ein Bussgeld gibt es auch."
Ich verstand die ganze Sache irgendwie nicht. Die Beiträge für die
KFZ-Versicherung werden monatlich vom Konto abgebucht und ich bin davon
ausgegangen, dass sich an dieser Tatsache nichts ändert, bis ich den Wagen
verkaufe oder abmelde. Weit gefehlt wie ich jetzt lernen durfte. Man muss
(zumindest hier in BC) angeben wie lange man versichert sein will und dann
vor Ablauf dieser Zeit die Versicherung verlängern. Dann bekommt man
Aufkleber mit Tag und Monat bis wann die Versicherung gültig ist die man
dann wiederum auf das hintere Kennzeichen klebt. Diese Leuchtaufkleber
fallen dem aufmerksamen Polizeibeamten ins Auge und der kann dann mithilfe
seines Bordcomputers während der Fahrt sofort eine Halterfeststellung machen
und bei Gefallen mit Blaulicht und Sirene Ignoranten wie mich im wahrsten
Sinne des Wortes aus dem Verkehr ziehen.
Da ich ganze 20 Meter von meiner Baustellenauffahrt entfernt stand, lies
mich der Beamte noch auf den Parkplatz fahren und zog sich dann in seinen
Streifenwagen zurück um das Ticket auszufüllen. Da dachte ich mir noch
nichts schlimmes. Als er mir allerdings den Strafzettel überreichte, fiel
mir die Kinnlade runter: 598 Dollar (in Worten Fünfhundertachtundneunzig
Dollar) kostet der Spass. Als ich vollkommen verstört dastand und kurzzeitig
sogar meine Muttersprache verloren hatte, tröstete er mich mit den Worten:
"Seien sie froh, dass ihnen das in BC passiert. In Alberta kostet das
gleiche Vergehen 2.500 Dollar." Das war mir allerdings in dem Augenblick
vollkommen Wurscht.
Nachdem
ich den ersten Schock überwunden hatte, erzählte ich meinen Arbeitskollegen
die Story. Die wiederum gaben mir den Tip gegen den Strafzettel Einspruch
einzulegen. Das ist hier problemlos möglich und das habe ich nach Feierabend
beim nächsten
ICBC Büro auch gleich
gemacht. Jetz läuft das so: Ich erhalte in ca. 6-8 Monaten einen
Gerichtstermin zu dem auch der Polizist vorgeladen wird und jeder erzählt
dem Richter eine Geschichte. Wer die beste Geschichte erzählt gewinnt. Es
soll öfter vorkommen, dass Richter die Strafe reduzieren. Wenn der
betreffende Polizist nicht zum Gerichtstermin erscheint, kann es sogar sein
das der Richter die Strafe ganz aufhebt. Im schlimmsten Fall muss ich die
volle Summe bezahlen. Weitere Kosten für Anwälte oder Gerichtskosten fallen
aber nicht an. So habe ich zumindest etwas Zeit gewonnen die Strafe
anzusparen und meine überzeugende und absolut wahre Geschichte auf englisch
zu üben.
Patrick geht jetzt zum Konfirmandenunterricht. Wir haben uns für die
Evangelisch-Lutherische Sankt Markus Kirchengemeinde in Vancouver
entschieden. Der Konfirmandenunterricht findet Freitags von 17 - 19 Uhr in
englischer Sprache statt. Petra und ich fahren währenddessen in den
nahegelegenen Superstore und kaufen für die Woche ein. Patricks Konfirmation
wird voraussichtlich zu Pfingsten 2009 gefeiert. Unseren ersten
Kirchenbesuch hatten wir am letzten Sonntag. Wie man Mitglied einer
Kirchengemeinde wird, erklärt am besten die E-Mail von Frau Ermisch, der
Frau des Pastors, die uns dazu folgende Zeilen geschrieben hat:
"Hier ist es so, dass man sich eine Kirchgemeinde
sucht und sich ihr dann anschliesst. Dazu muss man einen Mitgliedsantrag
ausfuellen. Mit dem Ausfuellen dieses Antrags geht man dann die
Verpflichtung ein die Gemeinde zu unterstuetzten sowohl in finanzieller
Hinsicht als auch durch den Besuch des Gottesdienstes und eventueller
anderer Veranstaltungen. Jede Gemeinde ist hier finanziell eigenstaendig,
d.h. alle Kosten (Gehaelter, Erhalt der Gebaeude usw.) muessen von den
sonntaeglichen Einnahmen und anderen Spenden der Gemeindeglieder beglichen
werden. Es gibt hier keine Kirchensteuern. Alles beruht auf Freiwilligkeit."
Patrick wächst hier unaufhörlich. Mit 1,66m überragt er jetzt deutlich seine Mutter. Außerdem arbeitet er täglich an seiner Fitness. In der Schule läuft es unverändert gut für ihn. Keinerlei Probleme. Lehrer und Schule halten uns Regelmäßig per E-Mail auf dem Laufenden. Elternabende gibt es natürlich auch. Auf seinem letzten Zwischenzeugniss stand neben guten Noten unter anderem: "Es ist ein Genuss Patrick in der Klasse zu haben!" Tja, ganz der Papa...
Weihnachten
steht auch in Canada vor der Tür. In Vancouver gab es am 19. November zu
diesem Anlass eine Santa Claus Parade durch die Innenstadt. Angeblich
haben über 300.000 Menschen an den Straßen gestanden und den
vorbeimarschierenden Musikzügen und Weihnachtlich geschmückten Wagen
zugesehen. Anstatt wie in Deutschland bei ähnlichen Anlässen üblich mit
Kamellen um sich zu werfen wird hier der Spieß umgedreht. Die
Foodbank,
eine Gemeinnützige Einrichtung die sich im sozialen Bereich engagiert,
führt den Umzug an und sammelt von den Zuschauern Spenden und Lebensmittel
ein. Es werden Konserven, Tütensuppen, Babynahrung, Windeln, Kekse,
Schokolade und alle mögliche Arten von Lebensmitteln und natürlich auch
Bargeld eingesammelt und für die Arbeit der Foodbank verwendet. Gute Idee
wie ich finde.
Wir sind natürlich auch mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Den guten alten Brauch einen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu stellen gibt es hier auch. Und wir werden unseren Baum wohl auch da kaufen, wo wir ihn in Deutschland in den letzten Jahren gekauft haben: Natürlich bei unserem Haus- und Hoflieferanten IKEA, wo sonst?
23. Dezember - Weihnachten in Canada.
Unser
erstes Weihnachten in Canada. Natürlich fehlt uns in diesen Tagen am meisten
unsere Familie. Das schönste Weihnachtsgeschenk wäre es, wenn wir mit
unseren Kindern Sebastian und Sabrina feiern könnten und natürlich auch mit
dem Rest unserer großen Sippe... Naja, vielleicht nächstes Jahr. Ich spiele
auch hier unermüdlich Lotto...
Es ist hier in Nordamerika üblich, dass der Weihnachtsmann erst am 1. Weihnachtstag morgens die Geschenke bringt. Kann ja auch nicht anders sein. Heiligabend ist er schließlich in Europa unterwegs und verteilt die Geschenke. Erst auf dem Rückweg zum Nordpol, der hier gleich um die Ecke ist, macht er halt bei den braven Kindern in den USA und Canada und läßt vielleicht auch das ein oder andere Geschenk da. Patrick hält allerdings gar nichts von dieser Routenplanung des weißbärtigen Schlittenfahrers und hat den Weihnachtsmann gebeten schon am Heiligabend vorbei zu sehen. Mal sehen, ob er das gebacken kriegt.
Um nicht alle Traditionen über Bord zu werfen, wollen wir Heiligabend genauso feiern wie üblich. Nachmittags in die Kirche, dann unterm Baum nachsehen, ob nicht doch was drunter liegt und anschließend den frisch erworbenen Raclette Grill zum glühen bringen und sich vollfuttern bis es nicht mehr geht.
Den Tannenbaum haben wir gestern gekauft (nicht bei IKEA!) und Petra hat ihn heute geschmückt. Wir dürfen einen echten in die Wohnung stellen, sollten aber drauf achten, dass er im Wasser steht damit er nicht zu trocken wird. Die Auswahl an Tannenbaumschmuck, Lichterketten und sonstigem Weihnachtsgedöns ist hier schon gewaltig. Auch wie aufwendig einige Hausbesitzer ihre Häuser und Vorgärten weihnachtlich schmücken ist uns Norddeutschen eigentlich nur aus dem Fernsehen geläufig.
Der 25. Dezember ist einer der ganz wenigen Tage, vielleicht sogar der einzige, an dem die allermeisten Geschäfte geschlossen haben. Am 26. Dezember ist aber Schluß mit Faulsein und alle haben wieder auf. Boxing Day wird das hier genannt. Supertrupersonderangebote sollen die frisch Beschenkten in die Geschäfte locken um das gerade erhaltene Weihnachtsgeld gleich wieder in vermeintlich superbillige Flachbildschirme, Computer, Handys, Sofas, oder sonstigen Schnickschnack einzutauschen. Angeblich werden schon in der Nacht zuvor Schlangen vor den Geschäften gebildet um am Morgen zu den ersten zu gehören die ein Schnäppchen machen können. Wir werden uns das nur von weiten ansehen und an dieser Stelle darüber berichten.
Am 14. hatte ich Firmenweihnachtsfeier. Die ging schon
Mittags los. Essen und alkoholfreie Getränke sowie Taxiservice wurden von
der Firma bezahlt. Alkoholfreie Getränke und Taxiservice? Das passt zwar
nicht zusammen, aber wer denn unbedingt wollte, konnte natürlich auch
(selbst bezahlten) Alkohol trinken. Ich wollte. Das mit dem Taxiservice habe
ich dann zu fortgeschrittener Stunde nicht mehr gebacken bekommen. Ich habe
den Bus genommen, aber der Busfahrer ist gefahren wie ´ne wilde Sau. Nach 3
Stationen habe ich freiwillig den Bus verlassen und mich zu Fuss auf den
Heimweg gemacht. Gefühlte 8 Stunden und 72 Kilometer Fußmarsch später bin
ich dann irgendwann Zuhause angekommen. Am nächsten Tag konnte ich aber
recherchieren: In Wirklichkeit waren es wohl nur 1,5 Stunden und rund 5
Kilometer die ich gegangen bin.
Auf der Feier gab die Führungsspitze stolz bekannt, dass die Firma im
laufenden Jahr Geld verdient hat, um rund 40 Leute auf nun über 100
Angestellte allein in BC gewachsen ist und volle Auftragsbücher hat. Hier
ist offensichtlich alles in Butter auf dem Bau. Weiterhin gute Aussichten
für mich und die schnell wachsende Zahl von deutschen Bauhandwerkern die
hierher nach Canada kommen.
Petra hatte wieder 3 Ausflüge mit ihrer Englischklasse. Einer ging zum Burnaby Village Museum. Ein Ausflug ging nach Downtown Vancouver zum Canadaplace. Dort gab es eine Ausstellung von Lebkuchenhäusern zu bestaunen. Auf dem Rückweg habe ich Petra in der Stadt getroffen und wir sind gemeinsam in einen Laden wo es deutsche und europäische Spezialitäten gibt. Dort haben wir auch die lange gesuchten Maggi und Knorr Gewürzmischungen und andere aus Deutschland gewohnte Lebensmittel wieder gefunden. Der 3 Ausflug hat Petra direkt zur Bürgermeisterin unserer neuen Heimatstadt Coquitlam geführt. Dort wurde sogar das nebenstehende Foto im Amtszimmer geschossen. Außerdem hat Petra mir Informationen über die örtliche Kommunalpolitik mitgebracht. Interessante Lektüre...
Die Schneehöhe auf unserem "Hausberg" dem Grouse Mountain beträgt zur Zeit 281 cm. Ski und Rodel also gut. Wir haben es aber bisher immer noch nicht geschafft den Grouse Mountain zu besichtigen. Hier bei uns im Tal liegt zur Zeit kein Schnee. Temperaturen um den Gefriepunkt und manchmal kein Regen. Nicht wirklich weihnachtlich.
Unser Gästebuch ist zur Zeit außer Betrieb. Der Umzug auf den neuen Server ist noch nicht ganz abgeschlossen. Ich bin aber zuversichtlich, dass bald alles wieder läuft wie es soll.
Wir wollen diesen Tagbucheintrag dazu nutzen allen Lesern eine Frohe Weihnachten zu wünschen. Wir bedanken uns auf diesem Wege bei allen die uns mit E-Mails oder Gästebucheinträgen oder auch Besuchen aufgemuntert und ermutigt haben unseren Weg weiter zu gehen und diese Internetseiten weiter zu führen. Ich will versuchen auch im nächsten Jahr wieder mehr oder weniger nützliche Informationen mit selbst erlebten Ereignissen und hin und wieder einem Augenzwinkern zu mischen um ein paar Tagebuchseiten zu füllen.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.
