Nach fast 4 Monaten alleine in Vancouver bekomme ich heute
endlich Verstärkung von Petra und Patrick. Am Sonntag gegen Mittag landet
die Maschine aus Düsseldorf. Langsam habe ich aber auch die Nase voll vom
Junggesellenleben. Für eine gewisse Zeit ist das ja mal ganz lustig, aber
auf Dauer eben doch nicht. Ich freu mich jedenfalls und hoffe, dass
Sabrina und Sebastian uns auch bald besuchen kommen.
Seit Mittwoch bin ich auf einer neuen Baustelle in Richmond. Nur 5 Minuten
entfernt von meiner ersten Bude wo ich bis Ende April gewohnt habe. Jetzt
wohne ich am anderen Ende der Stadt in Coquitlam und darf jeden Morgen
rund 40 Kilometer Anfahrtsweg bewältigen. Schon blöd, aber was solls. Morgens ist
der Weg in 45 Minuten
erledigt. Am Freitag habe ich aber aufgrund eines Staus fast 2 Stunden
nach Hause gebraucht. Das fand ich nicht so lustig. Dafür ist auf der
Baustelle Klinker mauern im Freien angesagt. Hunderte von Quadratmetern
und damit einige Wochen Arbeit warten auf mich. Klinker ist vielleicht
nicht das richtige Wort. "Bricks" werden die hier genannt. Unter Bricks
verstehen die hier alles was in Deutschland unter Klinker bzw. Verblender
läuft. In diesem Fall sind das massive Betonsteine mit den Maßen 9x9x39
cm. Potthässlich und auch wieder sauschwer wenn man mich fragt, aber
erstens fragt mich hier keiner und zweitens bin ich auch nicht als
Stilberater engagiert, sondern soll die Dinger nur vermauern.
Am Freitag habe ich mir in der prallen Sonne einen anständigen Sonnenbrand
im Nacken geholt. Das Wetter wird jetzt bis Ende September so freundlich
bleiben meinte mein Foreman. Hin und wieder mal Regen, aber
überwiegend Sonnenschein und schönes Wetter. So ist er das seit
Jahrzehnten in Vancouver gewohnt. Ich hoffe, dass er Recht behält. In
Deutschland fallen bei solchen Temperaturen die Hüllen bei den
Bauarbeitern. In meiner Firma ist allerdings das Arbeiten in kurzen Hosen oder mit
freiem Oberkörper nicht erlaubt! Ärmellose T-Shirts sind das höchste der
Gefühle. Das wird wohl noch ´ne schöne Schwitzerei hier. Dafür kann ich nach Feierabend
im Hauseigenen Swimmingpool Abkühlung finden. Der
ist seit dem 21. Mai geöffnet und auch bei schlechtem Wetter warm, weil
geheizt!
Die Frage der Krankenversicherung hat sich auch fast geklärt. Ich muss den
Grundbetrag von 54 Dollar bzw. jetzt 108 Dollar für die Familie selbst
gezahlen. Die Benefits der Firma beziehen sich auf zusätzliche
Leistungen. Damit sind wir aber immer noch wesentlich günstiger und
umfangreicher versichert als es in Deutschland der Fall war. Keine 10 Euro
Eintrittsgeld beim Doktor, keine Zuzahlung bei Medikamenten, freie
Massagen, keine Arztkosten, keine Krankenhauskosten und wer weiß nicht was
noch alles.
Hier stehen die Details. Nur meine Medical Card lässt im Augenblick
noch auf sich warten und über die Qualität der medizinischen Versorgung
kann ich bisher auch noch nichts sagen. Zum Glück, denn ich finde: Die
beste Krankheit taugt nichts.
Zur Vorbereitung auf die Familienzusammenführung habe ich heute wieder mal
nach langer Zeit den Kühlschrank vollgemacht. Da war in letzter Zeit nicht
viel drin außer Getränke. Jetzt können die beiden kommen. In der nächsten
Woche habe ich 3 Tage frei. Ich wollte zwar die ganze Woche Urlaub nehmen,
aber das war dem Bauleiter dann doch zuviel. 3 Tage müssen reichen um den
beiden die nähere Umgebung zu zeigen und Patrick bei der Schule
anzumelden. Da hier alles in einem Umkreis von maximal 1000 Metern zu
finden ist, was man zum Leben braucht, denke ich auch, dass die Zeit erstmal
reichen wird. Ich bin ja täglich meistens schon gegen halb fünf zu Hause
und die Wochenenden gibts auch noch um die Umgebung (siehe oben) zu erkunden und vor
allem endlich nach Möbeln Ausschau zu halten. Plastikstühle und
Luftmatratze sind auf Dauer auch nicht das wahre...
In den nächsten Wochen werde ich den Internetauftritt noch einmal neu
gestalten. Während dieser Zeit kann es immer wieder mal zu Störungen oder
Ausfällen kommen. Im Augenblick fehlt das Fotoalbum. Das kommt aber
wieder. Ich hoffe die Änderungen möglichst schnell ausführen zu können.
17. Mai 2007 - Der Familiennachzug wird vorbereitet.
Nachdem
nun der Arbeitsplatz sicher ist, die Wohnung gefunden und die wunderschöne
Umgebung (siehe Bild) etwas erkundet ist, steht dem Nachzug der Familie
nichts mehr im Wege. Die Flüge sind nach unseren Recherchen zur Zeit bei
LTU am
günstigsten. Petra und Patrick fliegen mit LTU beide für insgesamt 600
Euro eine Tour im Direktflug nach Vancouver. Das ist dann schon die 3.
Fluglinie die wir nach Condor und KLM ausprobieren und die wir dann
"bewerten" können. Petra ist in Deutschland voll im Stress
und packt unsere Habseligkeiten in Umzugskartons. Die Möbel werden wir
den großen Kindern überlassen. Mitgenomen wird nur, was in Umzugskartons passt.
Das ganze Umzugsgut wird dann auf spezielle Paletten gestapelt, mit Folie
eingeschweißt und als Beiladung in einem Container verschifft. Die
Spedition, die uns für diese Variante das günstigste Angebot gemacht hat,
heißt quirx.
Umzugkartons, Paletten und alles was man sonst noch so braucht haben wir
bei Rajapack gekauft.
Die ganze Ladung ist dann ca. 4 Wochen unterwegs und muss von uns dann am
Zoll in Vancouver selbst abgeholt werden. Dafür werde ich mir dann einen
kleinen LKW mieten.
Ich habe schon mehrmals mein Fett weggekriegt: -Ich hätte mich schön aus dem Staub gemacht und habe mit dem ganzen
Umzugsstress nichts am Hut.-
Stimmt auch, da kann ich nichtmal was gegen sagen. Aber ich bin sicher,
dass meine Lieblingsfrau das alles super hinkriegt. Wie heißt es doch so
schön: Man wächst an seinen Aufgaben!
Den schnellsten und gleichzeitig schönsten Weg zur Arbeit habe ich auch
gefunden. Schon beim verlassen des Apartments habe ich jeden Morgen einen
Blick auf die Schneebedeckten Gipfel der Berge. Der Barnet Highway führt
mich in Richtung Vancouver am Wasser entlang des Burrard Inlett´s mit
Blick auf Berge und Wälder von North Vancouver. Das ist ein Gefühl als
wenn ich jeden Morgen in den Urlaub fahre. Abends das gleiche - einfach
unbeschreiblich schön. Wenn die 8 Stunden Arbeit dazwischen nicht wären,
wäre es nicht auszuhalten. Die schweren Betonblocks zu vermauern ist nach
wie vor ein echter Knochenjob und kann einem den ganzen Tag versauen, aber
jeden Donnerstag ist Payday und die Arbeit zahlt sich hier sprichwörtlich
aus.
Das Wetter ist die letzten Tage schon fast sommerlich warm. Für die
örtliche Damenwelt Grund genug die Hüllen fallen zu lassen. Leider nicht
alle, aber immerhin gibt es jetzt neben der schönen Landschaft auch auf
den Straßen und Gehwegen sowie in den unzähligen Grünanlagen was zu sehen.
Die Wohnung ist mittlerweile frisch gestrichen und einige
Schönheitsreparaturen wurden wie versprochen durchgeführt. Jetzt bin ich
dran und muss bis zur Ankunft meiner Lieben Meister Propper noch mal um
Hilfe bitten um die Bude auf Hochglanz zu bringen. Sobald Petra und
Patrick da sind, werde ich mir ein paar Tage frei nehmen und dann müssen
wir erstmal Möbel kaufen. Zur Zeit lebe ich immer noch mit ein paar
Plastikstühlen und IKEA Tischen und schlafe auf einer Luftmatratze. Noch
nicht mal einen Fernseher habe ich. Zentrales Möbelstück ist der
Schreibtisch mit Computer und natürlich die Küche. Manchmal tue ich es mir
auch an, die
Tagesschau im Internet zu sehen. Dann wird mir immer wieder klar: Ich
glaub, ich hab´ bisher alles richtig gemacht!
Leichte Verwirrung habe ich unter meinen Kollegen ausgelöst, als ich die
Frage nach der Krankenversicherung gestellt habe. Meine Firma gibt
sogenante Benefits. Das sind Sozialleistungen die nicht gesetzlich
vorgeschrieben sind. Unter anderm wird eben auch die Krankenversicherung
bezahlt und eine Bertriebsrente angespart. Zu meiner Verblüffung konnte
mir bis zum heutigen Tage keiner meiner Kollegen und Vorgesetzten mit
Sicherheit sagen, ob ich denn nun meinen eigenen
Krankenversicherungsbeitrag in Höhe von 54 Dollar monatlich zahlen muss
oder ob den auch die Firma übernimmt. Offensichtlich sind den Kollegen
ihre eigenen Kontobewegungen auf dem Bankkonto nicht so ganz geläufig.
Aber das kläre ich in den nächsten Tagen. In der Angelegenheit habe ich
der Chefsekretärin eine mail geschrieben. Laut Aussage meines Foremans ist
die "für alles gut" - was auch immer das heißen soll.
05. Mai 2007 - Neue Wohnung in Coquitlam bezogen- Endlich eine eigene Küche!
Am Dienstag, den 1. Mai habe ich unser Apartment in Coquitlam bezogen. Coquitlam ist eine eigenständige Kommune im
Grossraum Vancouver. Der Übergang
ziwschen den Bezirken bzw. Kommunen ist aber beim durchfahren nicht zu
spüren. Alles wirkt wie eine einzige große und großartige Stadt. Von
Vancouver bis
Coquitlam sind es rund 20 Kilometer und je nach Verkehrslage
zwischen 30 und 70 Minuten Fahrzeit mit dem Auto. Bis zu meiner jetzigen
Baustelle, Childrens Hospital in der Oak Street, bin ich morgens 40 Minuten unterwegs, abends
brauche ich eine knappe Stunde zurück. Ich werde aber in der nächsten
Woche noch verschiedene Strecken ausprobieren um den besten und
schnellsten Weg zu finden.
Am Umzugstag auf dem Weg von Richmond nach Coquitlam habe ich im Büro bei meinem Chef
vorbeigeschaut und ihn gefragt, ob er denn mit mir und meiner Leistung in
den letzten 3 Monaten zufrieden ist und ich auch dauerhaft in der Firma
bleiben kann. Jawoll! Alles Paletti. Er ist mit meiner Entwicklung sehr
zufrieden und hat auch von den 3 Polieren unter denen ich bisher
gearbeitet habe nichts negatives über mich gehört. Er würde mich gerne
behalten. Das ist für mich
wiederum der endgültige Startschuss die Vorbereitungen für den
Familiennachzug fest zu machen.
Mein Umzug von Richmond nach Coquitlam verlief problemlos. Ich hatte ja auch nur 2 Koffer und
einen Tisch zu transportieren. Mein Fahrrad hatte ich vorher schon
hergebracht und beim Manager deponiert. Trotzdem habe ich einen "Day off"
genommen. So wird das hier genannt, wenn man angemeldet nicht zur Arbeit
kommt. Ich war um 11.00 Uhr mit der Managerin verabredet um die Wohnung zu
übernehmen. Nachdem ich den Scheck für die 1. Miete unterschrieben und
übergeben hatte (vorher nicht!) wurden mir die Schlüssel übergeben und gemeinsam die
Wohnung begutachtet. Dabei wurde ein Protokoll angefertigt von allen
Schäden oder Mängeln die der Vormieter zu verantworten hatte. Schäden gab
es so gut wie keine, aber insgesamt will ich den Zustand der Wohnung mal
als "etwas schmuddelig" umschreiben. Das hat auch die Managerin erkannt
und mir wurde zugesichert, das bis zur Ankunft meiner Familie noch sehr
viel getan wird, damit wir uns wohlfühlen. Alle Wände erhalten einen neuen
Anstrich, ein Waschbecken wird ausgewechselt, und über den Teppichboden,
der schon lange sein Leben gelebt hat, verhandle ich noch. Mal sehen ob
hier auch die gute alte Methode der Bestechung funktioniert. Strom hatte
ich vorher online beantragt und war auch vorhanden. Deckenleuchten die ich
schon beinahe bei IKEA gekauft hätte, sind in allen Räumen vorhanden und
Bestandteil der Wohnung. Ebenso wie eine Einbauküche mit Herd, Kühlschrank
mit Gefrierfach und einem Geschirrspüler. Alles zwar auch nicht mehr auf
dem neuesten Stand aber voll Funktionstüchtig. Davon habe ich mich überzeugt
als ich mein erstes selbstgekochtes Essen in der Küche zubereitet habe.
Panierte Schnitzel mit Kartoffeln und Ersbengemüse. Das größte Problem
bestand darin herauszufinden wie Paniermehl auf englisch heißt und wo es
das gibt. Die Lösung: Paniermehl heißt Breadcrumbs und ich habs bei
Safeway (Supermarkt) in der Brotabteilung gekriegt.
Den Tag Urlaub musste ich natürlich nutzen um die Schulfrage zu klären.
Sofort nachdem ich meinen Krempel in die Bude geschleppt hatte, habe ich
die Schule aufgesucht die ich für die richtige gehalten habe. Es war auch
die richtige Schule. Patrick hat keine 5 Minuten Schulweg zu Fuss. Die nette Schulsekretärin hat sich bei der
zuständigen International Education erkundigt und mir die wichtigste Frage
vorab beantworten können. Wir müssen keine 12.000 Dollar Schulgebühren pro
Jahr zahlen, sondern Patrick kann kostenlos die Schule besuchen. Das hat 3
Gründe: Mein work permit ist länger als 1 Jahr gültig, wir haben einen
festen Wohnsitz im Schulbezirk und wenigstens 1 Elternteil wohnt auch
hier. Die Anmeldeformalitäten sollte ich allerdings bei der
International Education erledigen. Dort sagte man mir dann, dass Patrick, der in
Deutschland nach den Ferien eigentlich in die 8. Klasse kommen würde, hier
ab September schon in die 9. Klasse gehen wird. Das liegt daran, so wurde
mir erklärt, weil hier die Kinder teilweise schon mit 5 Jahren eingeschult
werden. Was also in Deutschland die Vorschule war, ist hier die 1. Klasse.
Erstmal nehme ich das so hin. Alles weitere klären wir dann, wenn Petra &
Patrick auch da sind. Hauptsache wir haben die 12.000 Dollar/Jahr gespart.
(Was mache ich jetzt nur mit dem ganzen Geld?)
Nachdem ich die Schulfrage geklärt hatte, bin ich erstmal in den
nächstgelegenen
real
canadian superstore. In dem Laden gibt es eigentlich alles was man zum
Leben und Überleben braucht. Möbel, Medikamente, Kleidung, Lebensmittel,
Haushaltseinrichtung, Elektogeräte und werweissnichwasallesnoch. Hier habe
ich dann auch mein Bett für die nächsten Wochen gefunden. Eine Queensize
Luftmatratze, die ist ca. 1,5 x 2.0 Meter groß. Mit Bezug und Zudeck sieht
das ganze einem echten Bett täuschend ähnlich. Nur wenn man mehr als eine
Nacht darin zubringen muss, merkt man den Unterschied. Für meine
Gewichtsklasse (100 kg + X) jedenfalls nicht dauerhaft geeignet!
Bei
IKEA in Coquitlam habe ich mich mittlerweile mit einigen anderen
nützlichen Utensilien und Möbeln eingedeckt. LACK, IRIS, KROBY, VIKA AMON
und andere wohnen jetzt auch bei mir. Da bin ich wenigstens nicht mehr
ganz allein. Nur blöd, dass die den ganzen Tag keinen Ton sagen.
Weil das Essen immer besser schmeckt wenn man in Gesellschaft isst, habe
ich meinen Kollegen Thorsten und meinen Fahrradspediteur und
Meisterkollegen Bernd am Sonntag zum Essen eingeladen. Ich hab Schnitzel
mit Kartoffeln und Gemüse sowie Sauce Bearnaise und zum Nachtisch
Vanilleeis mit Schokoladensoße kredenzt. (Siehe Bild). Thorsten und Bernd
waren verantwortlich für die Getränke (Holsten knallt am dollsten). Ich
glaub, ich hab alle satt gekriegt.