Tschuess Deutschland - Hello Canada

Von Engensen nach Vancouver - Familie Pflueger geht nach Canada!

Ereignisse im Mai 2007

05. Mai ~ 17. Mai ~ 27. Mai 

27. Mai 2007 - Petra und Patrick landen Heute in Vancouver.

BildNach fast 4 Monaten alleine in Vancouver bekomme ich heute endlich Verstärkung von Petra und Patrick. Am Sonntag gegen Mittag landet die Maschine aus Düsseldorf. Langsam habe ich aber auch die Nase voll vom Junggesellenleben. Für eine gewisse Zeit ist das ja mal ganz lustig, aber auf Dauer eben doch nicht. Ich freu mich jedenfalls und hoffe, dass Sabrina und Sebastian uns auch bald besuchen kommen.
Seit Mittwoch bin ich auf einer neuen Baustelle in Richmond. Nur 5 Minuten entfernt von meiner ersten Bude wo ich bis Ende April gewohnt habe. Jetzt wohne ich am anderen Ende der Stadt in Coquitlam und darf jeden Morgen rund 40 Kilometer Anfahrtsweg bewältigen. Schon blöd, aber was solls. Morgens ist der Weg in 45 Minuten erledigt. Am Freitag habe ich aber aufgrund eines Staus fast 2 Stunden nach Hause gebraucht. Das fand ich nicht so lustig. Dafür ist auf der Baustelle Klinker mauern im Freien angesagt. Hunderte von Quadratmetern und damit einige Wochen Arbeit warten auf mich. Klinker ist vielleicht nicht das richtige Wort. "Bricks" werden die hier genannt. Unter Bricks verstehen die hier alles was in Deutschland unter Klinker bzw. Verblender läuft. In diesem Fall sind das massive Betonsteine mit den Maßen 9x9x39 cm. Potthässlich und auch wieder sauschwer wenn man mich fragt, aber erstens fragt mich hier keiner und zweitens bin ich auch nicht als Stilberater engagiert, sondern soll die Dinger nur vermauern.
Am Freitag habe ich mir in der prallen Sonne einen anständigen Sonnenbrand im Nacken geholt. Das Wetter wird jetzt bis Ende September so freundlich bleiben meinte mein Foreman. Hin und wieder mal Regen, aber überwiegend Sonnenschein und schönes Wetter. So ist er das seit Jahrzehnten in Vancouver gewohnt. Ich hoffe, dass er Recht behält. In Deutschland fallen bei solchen Temperaturen die Hüllen bei den Bauarbeitern. In meiner Firma ist allerdings das Arbeiten in kurzen Hosen oder mit freiem Oberkörper nicht erlaubt! Ärmellose T-Shirts sind das höchste der Gefühle. Das wird wohl noch ´ne schöne Schwitzerei hier. Dafür kann ich nach Feierabend im Hauseigenen Swimmingpool Abkühlung finden. Der ist seit dem 21. Mai geöffnet und auch bei schlechtem Wetter warm, weil geheizt!
Die Frage der Krankenversicherung hat sich auch fast geklärt. Ich muss den Grundbetrag von 54 Dollar bzw. jetzt 108 Dollar für die Familie selbst gezahlen. Die Benefits der Firma beziehen sich auf zusätzliche Leistungen. Damit sind wir aber immer noch wesentlich günstiger und umfangreicher versichert als es in Deutschland der Fall war. Keine 10 Euro Eintrittsgeld beim Doktor, keine Zuzahlung bei Medikamenten, freie Massagen, keine Arztkosten, keine Krankenhauskosten und wer weiß nicht was noch alles. Hier stehen die Details. Nur meine Medical Card lässt im Augenblick noch auf sich warten und über die Qualität der medizinischen Versorgung kann ich bisher auch noch nichts sagen. Zum Glück, denn ich finde: Die beste Krankheit taugt nichts.
Zur Vorbereitung auf die Familienzusammenführung habe ich heute wieder mal nach langer Zeit den Kühlschrank vollgemacht. Da war in letzter Zeit nicht viel drin außer Getränke. Jetzt können die beiden kommen. In der nächsten Woche habe ich 3 Tage frei. Ich wollte zwar die ganze Woche Urlaub nehmen, aber das war dem Bauleiter dann doch zuviel. 3 Tage müssen reichen um den beiden die nähere Umgebung zu zeigen und Patrick bei der Schule anzumelden. Da hier alles in einem Umkreis von maximal 1000 Metern zu finden ist, was man zum Leben braucht, denke ich auch, dass die Zeit erstmal reichen wird. Ich bin ja täglich meistens schon gegen halb fünf zu Hause und die Wochenenden gibts auch noch um die Umgebung (siehe oben) zu erkunden und vor allem endlich nach Möbeln Ausschau zu halten. Plastikstühle und Luftmatratze sind auf Dauer auch nicht das wahre...
In den nächsten Wochen werde ich den Internetauftritt noch einmal neu gestalten. Während dieser Zeit kann es immer wieder mal zu Störungen oder Ausfällen kommen. Im Augenblick fehlt das Fotoalbum. Das kommt aber wieder. Ich hoffe die Änderungen möglichst schnell ausführen zu können.

17. Mai 2007 - Der Familiennachzug wird vorbereitet.

BildNachdem nun der Arbeitsplatz sicher ist, die Wohnung gefunden und die wunderschöne Umgebung (siehe Bild) etwas erkundet ist, steht dem Nachzug der Familie nichts mehr im Wege. Die Flüge sind nach unseren Recherchen zur Zeit bei LTU am günstigsten. Petra und Patrick fliegen mit LTU beide für insgesamt 600 Euro eine Tour im Direktflug nach Vancouver. Das ist dann schon die 3. Fluglinie die wir nach Condor und KLM ausprobieren und die wir dann "bewerten" können.  Petra ist in Deutschland voll im Stress und packt unsere Habseligkeiten in Umzugskartons. Die Möbel werden wir den großen Kindern überlassen. Mitgenomen wird nur, was in Umzugskartons passt. Das ganze Umzugsgut wird dann auf spezielle Paletten gestapelt, mit Folie eingeschweißt und als Beiladung in einem Container verschifft. Die Spedition, die uns für diese Variante das günstigste Angebot gemacht hat, heißt quirx. Umzugkartons, Paletten und alles was man sonst noch so braucht haben wir bei Rajapack gekauft. Die ganze Ladung ist dann ca. 4 Wochen unterwegs und muss von uns dann am Zoll in Vancouver selbst abgeholt werden. Dafür werde ich mir dann einen kleinen LKW mieten.
Ich habe schon mehrmals mein Fett weggekriegt: -Ich hätte mich schön aus dem Staub gemacht und habe mit dem ganzen Umzugsstress nichts am Hut.- Stimmt auch, da kann ich nichtmal was gegen sagen. Aber ich bin sicher, dass meine Lieblingsfrau das alles super hinkriegt. Wie heißt es doch so schön: Man wächst an seinen Aufgaben!
Den schnellsten und gleichzeitig schönsten Weg zur Arbeit habe ich auch gefunden. Schon beim verlassen des Apartments habe ich jeden Morgen einen Blick auf die Schneebedeckten Gipfel der Berge. Der Barnet Highway führt mich in Richtung Vancouver am Wasser entlang des Burrard Inlett´s mit Blick auf Berge und Wälder von North Vancouver. Das ist ein Gefühl als wenn ich jeden Morgen in den Urlaub fahre. Abends das gleiche - einfach unbeschreiblich schön. Wenn die 8 Stunden Arbeit dazwischen nicht wären, wäre es nicht auszuhalten. Die schweren Betonblocks zu vermauern ist nach wie vor ein echter Knochenjob und kann einem den ganzen Tag versauen, aber jeden Donnerstag ist Payday und die Arbeit zahlt sich hier sprichwörtlich aus.
Das Wetter ist die letzten Tage schon fast sommerlich warm. Für die örtliche Damenwelt Grund genug die Hüllen fallen zu lassen. Leider nicht alle, aber immerhin gibt es jetzt neben der schönen Landschaft auch auf den Straßen und Gehwegen sowie in den unzähligen Grünanlagen was zu sehen.
Die Wohnung ist mittlerweile frisch gestrichen und einige Schönheitsreparaturen wurden wie versprochen durchgeführt. Jetzt bin ich dran und muss bis zur Ankunft meiner Lieben Meister Propper noch mal um Hilfe bitten um die Bude auf Hochglanz zu bringen. Sobald Petra und Patrick da sind, werde ich mir ein paar Tage frei nehmen und dann müssen wir erstmal Möbel kaufen. Zur Zeit lebe ich immer noch mit ein paar Plastikstühlen und IKEA Tischen und schlafe auf einer Luftmatratze. Noch nicht mal einen Fernseher habe ich. Zentrales Möbelstück ist der Schreibtisch mit Computer und natürlich die Küche. Manchmal tue ich es mir auch an, die Tagesschau im Internet zu sehen. Dann wird mir immer wieder klar: Ich glaub, ich hab´ bisher alles richtig gemacht!
Leichte Verwirrung habe ich unter meinen Kollegen ausgelöst, als ich die Frage nach der Krankenversicherung gestellt habe. Meine Firma gibt sogenante Benefits. Das sind Sozialleistungen die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Unter anderm wird eben auch die Krankenversicherung bezahlt und eine Bertriebsrente angespart. Zu meiner Verblüffung konnte mir bis zum heutigen Tage keiner meiner Kollegen und Vorgesetzten mit Sicherheit sagen, ob ich denn nun meinen eigenen Krankenversicherungsbeitrag in Höhe von 54 Dollar monatlich zahlen muss oder ob den auch die Firma übernimmt. Offensichtlich sind den Kollegen ihre eigenen Kontobewegungen auf dem Bankkonto nicht so ganz geläufig. Aber das kläre ich in den nächsten Tagen. In der Angelegenheit habe ich der Chefsekretärin eine mail geschrieben. Laut Aussage meines Foremans ist die "für alles gut" - was auch immer das heißen soll.

05. Mai 2007 - Neue Wohnung in Coquitlam bezogen- Endlich eine eigene Küche!

BildAm Dienstag, den 1. Mai habe ich unser Apartment in Coquitlam bezogen. Coquitlam ist eine eigenständige Kommune im Grossraum Vancouver. Der Übergang ziwschen den Bezirken bzw. Kommunen ist aber beim durchfahren nicht zu spüren. Alles wirkt wie eine einzige große und großartige Stadt. Von Vancouver bis Coquitlam sind es rund 20 Kilometer und je nach Verkehrslage zwischen 30 und 70 Minuten Fahrzeit mit dem Auto. Bis zu meiner jetzigen Baustelle, Childrens Hospital in der Oak Street, bin ich morgens 40 Minuten unterwegs, abends brauche ich eine knappe Stunde zurück. Ich werde aber in der nächsten Woche noch verschiedene Strecken ausprobieren um den besten und schnellsten Weg zu finden.
Am Umzugstag auf dem Weg von Richmond nach Coquitlam habe ich im Büro bei meinem Chef vorbeigeschaut und ihn gefragt, ob er denn mit mir und meiner Leistung in den letzten 3 Monaten zufrieden ist und ich auch dauerhaft in der Firma bleiben kann. Jawoll! Alles Paletti. Er ist mit meiner Entwicklung sehr zufrieden und hat auch von den 3 Polieren unter denen ich bisher gearbeitet habe nichts negatives über mich gehört. Er würde mich gerne behalten. Das ist für mich wiederum der endgültige Startschuss die Vorbereitungen für den Familiennachzug fest zu machen.
Mein Umzug von Richmond nach Coquitlam verlief problemlos. Ich hatte ja auch nur 2 Koffer und einen Tisch zu transportieren. Mein Fahrrad hatte ich vorher schon hergebracht und beim Manager deponiert. Trotzdem habe ich einen "Day off" genommen. So wird das hier genannt, wenn man angemeldet nicht zur Arbeit kommt. Ich war um 11.00 Uhr mit der Managerin verabredet um die Wohnung zu übernehmen. Nachdem ich den Scheck für die 1. Miete unterschrieben und übergeben hatte (vorher nicht!) wurden mir die Schlüssel übergeben und gemeinsam die Wohnung begutachtet. Dabei wurde ein Protokoll angefertigt von allen Schäden oder Mängeln die der Vormieter zu verantworten hatte. Schäden gab es so gut wie keine, aber insgesamt will ich den Zustand der Wohnung mal als "etwas schmuddelig" umschreiben. Das hat auch die Managerin erkannt und mir wurde zugesichert, das bis zur Ankunft meiner Familie noch sehr viel getan wird, damit wir uns wohlfühlen. Alle Wände erhalten einen neuen Anstrich, ein Waschbecken wird ausgewechselt, und über den Teppichboden, der schon lange sein Leben gelebt hat, verhandle ich noch. Mal sehen ob hier auch die gute alte Methode der Bestechung funktioniert. Strom hatte ich vorher online beantragt und war auch vorhanden. Deckenleuchten die ich schon beinahe bei IKEA gekauft hätte, sind in allen Räumen vorhanden und Bestandteil der Wohnung. Ebenso wie eine Einbauküche mit Herd, Kühlschrank mit Gefrierfach und einem Geschirrspüler. Alles zwar auch nicht mehr auf dem neuesten Stand aber voll Funktionstüchtig. Davon habe ich mich überzeugt als ich mein erstes selbstgekochtes Essen in der Küche zubereitet habe. Panierte Schnitzel mit Kartoffeln und Ersbengemüse. Das größte Problem bestand darin herauszufinden wie Paniermehl auf englisch heißt und wo es das gibt. Die Lösung: Paniermehl heißt Breadcrumbs und ich habs bei Safeway (Supermarkt) in der Brotabteilung gekriegt.
Den Tag Urlaub musste ich natürlich nutzen um die Schulfrage zu klären. Sofort nachdem ich meinen Krempel in die Bude geschleppt hatte, habe ich die Schule aufgesucht die ich für die richtige gehalten habe. Es war auch die richtige Schule. Patrick hat keine 5 Minuten Schulweg zu Fuss. Die nette Schulsekretärin hat sich bei der zuständigen International Education erkundigt und mir die wichtigste Frage vorab beantworten können. Wir müssen keine 12.000 Dollar Schulgebühren pro Jahr zahlen, sondern Patrick kann kostenlos die Schule besuchen. Das hat 3 Gründe: Mein work permit ist länger als 1 Jahr gültig, wir haben einen festen Wohnsitz im Schulbezirk und wenigstens 1 Elternteil wohnt auch hier. Die Anmeldeformalitäten sollte ich allerdings bei der International Education erledigen. Dort sagte man mir dann, dass Patrick, der in Deutschland nach den Ferien eigentlich in die 8. Klasse kommen würde, hier ab September schon in die 9. Klasse gehen wird. Das liegt daran, so wurde mir erklärt, weil hier die Kinder teilweise schon mit 5 Jahren eingeschult werden. Was also in Deutschland die Vorschule war, ist hier die 1. Klasse. Erstmal nehme ich das so hin. Alles weitere klären wir dann, wenn Petra & Patrick auch da sind. Hauptsache wir haben die 12.000 Dollar/Jahr gespart. (Was mache ich jetzt nur mit dem ganzen Geld?)
Nachdem ich die Schulfrage geklärt hatte, bin ich erstmal in den nächstgelegenen real canadian superstore. In dem Laden gibt es eigentlich alles was man zum Leben und Überleben braucht. Möbel, Medikamente, Kleidung, Lebensmittel, Haushaltseinrichtung, Elektogeräte und werweissnichwasallesnoch. Hier habe ich dann auch mein Bett für die nächsten Wochen gefunden. Eine Queensize Luftmatratze, die ist ca. 1,5 x 2.0 Meter groß. Mit Bezug und Zudeck sieht das ganze einem echten Bett täuschend ähnlich. Nur wenn man mehr als eine Nacht darin zubringen muss, merkt man den Unterschied. Für meine Gewichtsklasse (100 kg + X) jedenfalls nicht dauerhaft geeignet!
Bei IKEA in Coquitlam habe ich mich mittlerweile mit einigen anderen nützlichen Utensilien und Möbeln eingedeckt. LACK, IRIS, KROBY, VIKA AMON und andere wohnen jetzt auch bei mir. Da bin ich wenigstens nicht mehr ganz allein. Nur blöd, dass die den ganzen Tag keinen Ton sagen.
Weil das Essen immer besser schmeckt wenn man in Gesellschaft isst, habe ich meinen Kollegen Thorsten und meinen Fahrradspediteur und Meisterkollegen Bernd am Sonntag zum Essen eingeladen. Ich hab Schnitzel mit Kartoffeln und Gemüse sowie Sauce Bearnaise und zum Nachtisch Vanilleeis mit Schokoladensoße kredenzt. (Siehe Bild). Thorsten und Bernd waren verantwortlich für die Getränke (Holsten knallt am dollsten). Ich glaub, ich hab alle satt gekriegt.

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