27. März 2007 - Erste Hilfe Kurs bestanden
Ich
kriege fast jeden Tag E-Mails von interessierten Lesern dieser
Internetseiten. Die meisten verfolgen gespannt und neugierig unsere
Geschichte und ich versuche auch alle E-Mails zu beantworten. Das kann
aber manchmal ein paar Tage dauern. Ich bitte um Verständnis.
Die Abstände meiner Tagebucheinträge werden größer. Ich merke das gerade
selbst. Das hat wohl damit zu tun, dass hier langsam der Alltag einkehrt.
Geregelte Arbeitszeiten von 7:00 Uhr bis 15:00 Uhr. Die letzten 2 Wochen 6
Tage die Woche.
Am vorletzten Samstag habe ich einen Erste Hilfe Kurs besucht. Ich habe
jetzt "First Aid Level 1". Der Kurs ist vergleichbar mit dem Erste Hilfe
Kurs den man in Deutschland für den Führerschein machen muss. Obwohl ich
nur die Hälfte verstanden habe, habe ich den abschließenden schriftlichen
Test mit der Höchstpunktzahl als Klassenbester abgeschlossen! Der
Unterschied zum deutschen Erste Hilfe Kurs: Ich musste nichts für
den Kurs bezahlen, sondern die Zeit (7 Std.) wurde als normale Arbeitszeit
bezahlt - Genial! An diesem Kurs hat auch einer der Bauleiter teilgenommen
und so konnte ich nebenbei erfahren, dass ich offensichtlich mit der Wahl
meines Arbeitgebers ganz unabsichtlich einen Volltreffer gelandet habe.
Der Graham Konzern ist finanziell Quietschgesund, hat insgesamt rund
16.000 (in Worten: sechzehntausend!) Mitarbeiter, gehört zu den größten
Baukonzernen Nordamerikas und zu den 50 am besten gemanagten Unternehmen
Canadas. Auch nach Aussagen meiner Kollegen, die schon teilweise in
verschiedenen Firmen Canadas gearbeitet haben, gehört Gracom zu den besten
und sozialsten Arbeitgebern. Der Benefitplan (die freiwilligen
Sozialleistungen) soll vorbildlich sein.
Am letzten Samstag waren dann wieder Überstunden angesagt. Die Firma baut
gerade für sich selber ein neues Bürogebäude neben dem alten Büro. Das
soll natürlich so schnell wie möglich fertig werden. Also wird Samstags
und auch manchmal Sonntag gearbeitet. Gezwungen wird natürlich niemand,
alles freiwillig. Den Samstag habe ich ja mitgenommen, Sonntag war mir
dann doch ein bisschen zu happig. Einen Tag in der Woche brauche ich zum
ausruhen. Schließlich bin ich auch keine 20 mehr.
Mit der Haussuche bin ich immer noch nicht weiter. Ich habe jetzt schon
ca. 4.000 Kilometer im Grossraum Vancouver abgegrast. Ich glaube manchmal,
ich kenne Vancouver und Umgebung schon besser, als manch einer der hier
schon länger lebt. Den Stadtplan brauche ich immer seltener. Ich habe das
schon mal geschrieben: Schön ist es hier fast überall. Das macht die Wahl
so schwierig. Kaum habe ich mich für einen Stadteil entschieden, fahre ich
am nächsten Tag schon wieder durch einen wo ich sage: Jau, hier is auch
schön! Und ich habe natürlich noch lange nicht alles gesehen.
Normalerweise sollte man als Immigrant in Canada Anspruch auf einen
kostenlosen Englischkurs haben. So war die Auskunft von Regina. Ich hab
mich da auch beworben, bekam aber zur Antwort, dass ich einen Englischkurs
nur mit dem work permit Case Type 27 besuchen darf. Mein work permit
ist Case Type 20. Was es damit auf sich hat, versuche ich gerade mit Hilfe
von Regina herauszufinden. Obwohl alle Kollegen die ich kennenlerne immer
wieder behaupten, dass mein englisch sehr gut ist, will ich einen Kurs
besuchen. Denn, auch wenn die mich verstehen, versteh ich trotzdem
nicht immer was meine Kollegen zu mir sagen. Die sprechen einfach zu
schnell und haben wohl auch ihren eigenen Akzent. Ist ja in Deutschland
genauso. Wenn man als Norddeutscher mit ein ein paar Bayern oder Schwaben
am Tisch sitzt, kann man meistens auch nur höflich nicken aber versteht
manchmal nur Bahnhof.
Nach nun gut 6 Wochen in Vancouver kann ich sagen: Es geht mir gut und es
gefällt mir gut. Obwohl es an den letzten 24 Tagen 21 Tage geregnet hat!
Ich arbeite drinnen, juckt mich also nicht weiter. Außerdem versichern mir
alle: Das ist selbst für das, zugegeben "feuchte" Vancouver ein
unnatürlich nasser März gewesen. In den letzten Tagen wurden wir dafür mit
Frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein verwöhnt. So
kann´s bleiben....
Ich
bin ja auch in Deutschland schon öfter Einkaufen gewesen, deswegen ist mir
das nicht fremd. Hier in Vancouver bleibt mir das als Selbstversorger
natürlich auch nicht erspart. Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier mehr als
genug. Das sind meistens an den Hauptstraßen gelegene Shoppingcenter mit
einem etwas größerem Lebensmittelladen und darum herum sind dann oft
irgendwelche Freßbuden, wie McDonalds, Tim Horton, ´ne Pizzaria oder
ähnliches. Außerdem sind dort viele, meistens kleine Geschäfte wie Bäcker,
Schlachter, Obsthändler, Friseure, Videotheken oder Drogerien zu finden.
Was nicht fehlen darf ist natürlich ein Liquor store. Da gibts dann den
Alkohol und das Bier. (Bier ist ja bekanntlich kein Alkohol) Und zwar
nur in den Liquor stores!
Am Anfang habe ich auch immer in den dort gelegenen Geschäften eingekauft.
Bis mir meine Arbeitskollegen zum "Real
Canadian Superstore" geraten haben. Seitdem versuche ich einmal die
Woche meinen gesamten Einkauf dort zu erledigen. Der Superstore ist
ungefähr so groß wie ein ausgewachsener Real-Markt in Deutschland und das
Warenangebot ist auch vergleichbar. Einziger Unterschied - es ist
tatsächlich meistens billiger als in den kleineren
Safeway oder
Save on Food
Läden und es gibt hier alles, was es auch in Deutschland gibt. Glaub´ ich
zumindest. Am Anfang hatte ich zwar Schwierigkeiten Brot zu finden was
"nicht weiß" ist, aber im Superstore gibt es auch deutsches Roggenbrot
oder Schwarzbrot. Das gibt es aber nicht immer, deshalb habe ich mir
angewöhnt 2 Packungen im Gefrierfach zu haben - für alle Fälle.
Ein noch nicht gelöstes Problem stellt die regelmäßige Versorgung mit
warmen Essen dar. In meiner Bude ist eine Mikrowelle, ein Kühlschrank mit
Gefrierfach und eine All-in-one "Eierundkaffeekochertoastermaschine" (siehe
Bild). Außerdem hätte ich die Möglichkeit ab und zu die Küche meiner
Vermieterin zu nutzen. Nach der Arbeit habe ich aber keine Lust auch noch
zu kochen. Deswegen muß öfter mal Mikrowellenessen oder Ronald McDonald
und Co. ran. Langsam hängen mir aber die Quarterpounder with Cheese zum
Hals raus. Gottseidank habe ich heute ein
deutsches Restaurant gefunden. Nach eigenen Angaben angeblich das
"einzige im Großraum Vancouver". Dort gibt es Jägerschnitzel, Kassler mit
Sauerkraut, Eisbein und andere Leckereien nach denen sich mein Magen
sehnt. Ich hab mir erstmal ein Jägerschnitzel gegönnt - Super! Für jeden
Tag ist das natürlich auch keine Lösung - zu teuer. Die Besitzer, die
Bedienung und die Gäste sind offensichtlich allesamt deutsch oder
deutschstämmig, aber außer einer jungen Bedienung, waren da alle jenseits
der 65.
Die körperliche Arbeit und das fehlende warme Essen hinterlassen ihre
Spuren. Es gibt in meiner Bude zwar keine Waage, aber ich habe das Gefühl,
dass ich ein paar Kilo verloren habe. Diesen auf Dauer gesundheitlich
bedenklichen Prozess des rapiden Gewichtsverlustes kann nur meine Familie
aufhalten. Wenn das so weitergeht wiege ich bald nur noch 2 Zentner. Das
gute Essen von Petra fehlt mir. Ich hoffe, bald ist Juni.....
Am
Wochenende war ich mal wieder auf Erkundungstour. Der Grossraum Vancouver
ist schon ziemlich "geräumig". Herauszufinden wo es schön ist, ist leicht.
Schön ist es hier fast überall. Häuser und Wohnungen gibt es hier auch wie
Sand am Meer zu mieten oder zu kaufen. Also bleibt mir nichts anderes
übrig, als die einzelnen Stadtteile zu begutachten um ein geeignetes Heim
für meine Lieben zu finden. Das hat mich am Wochenende mal wieder an sehr
schöne Stellen geführt. Ich war in Richtung White Rock unterwegs, habe den
Crescent Beach in Süd Surrey besucht und am Sonntag habe ich mir North
Vancouver und Port Moody mal näher angesehen. Mit dem Seabus von North
Vancouver bin ich auch mal gefahren. Die entsprechenden Bilder habe ich im
Fotoalbum gespeichert. Das Fotoalbum habe ich
bei der Gelegenheit gleich mal etwas "gestrafft" und neu sortiert. Einige
Bilder sind immer noch überflüssig bzw. kommen als Fotografie nicht mal
annähernd an die Realität ran. Das liegt natürlich auch an der relativ
einfachen Ausstattung der Kodak EasyShare C 310 mit der ich die ganzen
Bilder mache. Ich hoffe trotzdem, dass etwas von der großartigen
Landschaft und der schönen Stadt Vancouver rüber kommt. Wie das Bild von
einem Angler der am
Buntzen Lake, der Vancouver gleichzeitig als natürliches
Trinkwasserreservoir dient, sein Glück versucht. Das liegt nur eine knappe
halbe Autostunde außerhalb Vancouvers.....