In loser Folge berichten wir
hier unsere Geschichte und die Ereignisse die auf dem Weg von Engensen nach
Kanada erwähnenswert scheinen. Der neueste Eintrag steht oben. Wer die Geschichte von Anfang an lesen will, muss also am
Ende anfangen und hier klicken. Eine
Zusammenfassung der Geschichte hat unsere
Lokalpresse am 18. Oktober 2006 in der Nordhannoverschen Zeitung verfasst. Danke
dafür an den Redakteur Herrn Martin Lauber.
Zum Ende eines Jahres gehört es sich seinen Mitmenschen
alles Gute für das nächste Jahr zu wünschen. Das wollen wir natürlich auch
nicht versäumen und wünschen daher allen, die diese Zeilen lesen ein
gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2007. Wenn man den Meldungen
glauben darf, liegt ja eine Traumhafte Zukunft vor den Deutschen. Der
Wirtschaftsaufschwung schlechthin ist mitten im Gange. Die
Arbeitslosigkeit verschwindet und alle Menschen werden reich und glücklich.
Wer´s glaubt wird selig... Ich glaub jedenfalls kein Wort davon! Die selbe
Leier wird von Medien und Politikern seit Jahren gespielt und ich Idiot
bin auch noch drauf reingefallen.
Bei uns gibt es leider immer noch keine Neuigkeiten. Der letzte Anruf in
Vancouver bei Regina liegt ungefähr 2 Wochen zurück. Regina meinte, dass
es die Regelbearbeitungszeit von 6-8 Wochen noch nicht um sei. Das ist
erst im Januar der Fall. Also, weiter warten.
Inzwischen habe ich nochmal neue polizeiliche Führungszeugnisse beantragt.
Für den Antrag auf eine Arbeitserlaubnis dürfen die Führungszeugnisse
nicht älter als 6 Monate sein. Da wir unsere schon im Mai besorgt hatten,
sind sie inzwischen ungültig.
Ich hab auch schon mal nach Flügen gestöbert. Unglaublich aber wahr. Ein
einfacher Flug nach Vancouver, also ohne Rückflug, ist 2 bis 3 mal so
teuer wie ein Hin- und Rückflug. Wo da die Logik liegt, bleit mir zur Zeit
noch verborgen. Im Schnitt zahlt man zwischen 600 € bis 800 € für Hin- und
Rückflug. Ein einfacher Hinflug sollte dagegen rund 1600 € kosten.
Um eine wenig die Übersichtlichkeit zu wahren, habe ich die Navigation auf
unserern Internetseiten etwas gebündelt. Außerdem werde ich eine neue
Seite für das Tagebuch ab 2007 aufmachen. Ich hoffe es gefällt.
03. Dezember 2006
Die Bearbeitungsgebühren für das PNP in British Columbia
betragen 550 kanadische Dollar. In Euro macht das zur Zeit exakt 376,89 €.
Genau diese Summe wurde am 29.11.06 von unserem Konto abgebucht. Ich habe
daraufhin an Regina eine Mail geschickt und sie darüber informiert. Sie
sagte mir, dass das ein Zeichen dafür wäre, dass meine Unterlagen nun
bearbeitet wurden. Jetzt könne es angeblich nicht mehr lange dauern, bis
ich Bescheid bekomme und dann in Berlin die eigentliche Arbeitsgenehmigung
beantragen kann. Für mich ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die
Unterlagen vollständig sind. Jetzt kann ich nur hoffen, dass sie auch
positiv entschieden werden, denn dann könnte ich Anfang Januar tatsächlich
anfangen zu arbeiten und endlich wieder vernünftiges Geld verdienen.
Dem Fernsehen haben wir abgesagt. Der Familienrat hat sich dagegen
ausgesprochen. Ein Fernsehteam im Haus zu haben soll nicht wirklich spaßig
sein und letztendlich ist das doch ein ziemlich intimer Einblick in unser
Privatleben. Der geneigte Leser muss sich also weiterhin mit diesen
Internetseiten begnügen. Aber wir bemühen uns die Seiten nicht Langweilig
werden zu lassen. Durch den Einbau von einigen verschiedenen
WebCam´s die
unterschiedliche Ansichten von Vancouver präsentieren, kommt etwas Leben
in die Seiten. Auch wenn für die Betrachtung schon eine schnelle
Internetverbindung (DSL) von Vorteil wäre.
Um die Haushaltskasse etwas aufzubessern und gleichzeitig Platz auf dem
Dachboden zu schaffen, sind wir jetzt bei ebay aktiv geworden. Hier kommt
alles unter den Hammer was nicht Niet- und Nagelfest ist und nicht mit
nach Kanada soll. In der Vorweihnachtszeit kaufen die Leute auch ganz gut
ein. Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?
Um mich ein bisschen auf meinen Job vorzubereiten und die Kanadische
Bauweise kennen zu lernen, werde ich in Zukunft auch in der Sparte
Bauen in Kanada mich
etwas näher mit dem Thema beschäftigen. Wer weiß wozu das gut ist.
Mittlerweile habe ich auch schon einige Kontaktadressen in Vancouver.
Meistens Gleichgesinnte aus der Baubranche die (genau wie wir) auf der
Flucht aus Deutschland sind. Die meisten von denen wollen zuerst im
kanadischen Arbeitsmarkt Fuß fassen und spielen dann mit dem Gedanken sich
dort selbstständig zu machen. Ich habe allerdings vorerst die Schnauze
voll von Selbstständigkeit. Erst mal sehen wie die Kanadier bauen. Ich
schließe nicht aus, dass ich auch noch was lernen kann. Vielleicht ergibt
die Mischung aus deutscher und kanadischer Bauweise einen ganz neuen
Baustil. Ich bin gespannt und werde an dieser Stelle weiterhin darüber
berichten...
03. November 2006
Post aus Vancouver. Ein Kurierdienst brachte
am Nachmittag einen großen Umschlag aus Kanada. Absender war Ministry of
Economic in Vancouver. Ich dachte bei mir: "So schnell kann das nicht
gehen" Aber ich sollte mich irren. Unser Antrag wurde tatsächlich schon
bearbeitet und das nur einen Tag nachdem die Papiere eingereicht wurden!
Leider wurde uns mitgeteilt, dass doch noch was fehlte. Unsere beiden
Kinder müssen, da Sie über 18 sind eigene Formulare ausfüllen und ihren
Lebenslauf, Schullaufbahn, Arbeitgeber etc. lückenlos angeben und eine
Detailed Job Description (Berufsbeschreibung) vom Arbeitgeber fehlt auch
noch. Die fehlende Job Description bekam ich nach wenigen Stunden aus
Vancouver gemailt. Die anderen Formulare füllen wir am Wochenende aus und
senden den ganzen Antrag per Kurierdienst umgehend zurück. Wenn das noch
mal so schnell geht, bin ich sehr zuversichtlich, dass es tatsächlich bis
Januar klappt. Im beiliegenden Anschreiben wurde uns schon mitgeteilt,
dass bei vollständigen Antragsunterlagen einer Genehmigung unter dem
PNP Programm in BC nichts mehr im Wege steht. In der Kanadischen
Botschaft in Berlin liegt die Bearbeitungsdauer für die work permits zur
Zeit angeblich bei 1 Woche.
Aufgrund des Zeitungsartikels in den Regionalteilen der HAZ sind auch
andere Medien auf uns aufmerksam geworden. Am Donnerstag hatten wir Besuch
einer Radioreporterin von NDR 1 die uns für einen
kurzen Beitrag
interviewt hat der voraussichtlich am 8. November gesendet wird. Das
Fernsehen (NDR) hat auch Interesse bekundet aber wir sind uns noch nicht
sicher, ob wir wirklich ins Fernsehen wollen. Schließlich machen wir die
ganze Angelegenheit nicht aus Jux und Dollerei sondern aus einer
wirtschaftlichen Notlage heraus.
13. Oktober 2006
Vom 23. September bis zum 5. Oktober habe ich mit Petra eine Rundreise
durch Westkanada unternommen. Einen ausführlichen Reisebericht mit einigen
Fotos von der Tour gibt es nun
hier. Ziel der Reise war es für uns
Tatsachen in Bezug auf den Job zu schaffen, Leute kennen zu lernen und das
Land zu sehen. Wir haben mit dem Mietwagen rund 3.750 Kilometer quer durch
Westkanada zurückgelegt und sind die geplante Strecke (siehe unten)
abgefahren.
Rudi hatte immer noch kein LMO und auch keine Idee wann oder ob es jemals
kommen würde. Er wusste leider auch nicht, woran es liegt und hat mir
selbst geraten mich vorsichtshalber noch bei bei einer anderen, größeren
Firma zu bewerben um sozusagen zweigleisig zu fahren. Das habe ich getan und auch umgehend das Angebot
bekommen mir meine Arbeitsstelle aussuchen zu können. Das Unternehmen
gracom masonry gehört zum Graham Konzern und zählt zu den größten
Bauunternehmen Kanadas. Ich hatte praktisch die Wahl zwischen
allen
Standorten der Firma. Entschieden haben wir uns für Vancouver und zwar aus
mehreren Gründen.
Lage: Vancouver liegt direkt am Pazifik und hat die Coast Mountains
im Rücken. In die USA sind es nur wenige Kilometer. Vancouver Island liegt
vor der Haustür. Alle namhaften Fluggesellschaften fliegen Vancouver an.
Die Lage ist aus meiner Sicht unübertrefflich.
Klima: Auch im Winter sacken die Temperaturen nicht nennenswert
unterhalb des Gefrierpunktes ab. Dafür ist in den Wintermonaten zwar
wochenlanger Dauerregen angesagt, aber das ist mir immer noch lieber als
bis zu -40°C in Edmonton. Arbeitsausfälle, und damit auch Lohnausfälle
durch schlechtes Wetter sind in Vancouver nicht so häufig zu erwarten wie
in Edmonton.
Behörden: In Alberta läuft unser Antrag auf eine Arbeitsgenehmigung
seit April. Obwohl ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt habe und alle
möglichen Stellen bis hin zum Bürgermeister von Edmonton um Unterstützung
gebeten habe, habe ich bis Heute nichts greifbares in der Hand. In
Vancouver habe ich die kostenlose Unterstützung in der dortigen
Handwerkskammer. Eine sehr nette junge Frau mit persönlichen Kontakten zu
den entsprechenden Regierungsstellen hat mir versichert: Bis Anfang Januar
liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor, dann kann ich mit der Arbeit
anfangen. Bei allen relevanten Formularen und Fragen rund um das PNP in
British Columbia wird mir kostenlose und darüber hinaus deutschsprachige
Hilfe zuteil. Die Firma selber hat auch eine eigene Personalabteilung mit
guten Kontakten zu den Behörden.
Karriere: Ich fange als ganz normaler Bricklayer (Maurer) an. Ich
habe dem Arbeitgeber aber deutlich gemacht, dass ich mehr möchte. Mir
wurde glaubhaft versichert: Ich kann erreichen wozu ich auch immer fähig
bin. Foreman (Polier) oder site supervisor (Bauleiter) oder auch Branch
Manager (Niederlassungsleiter). Es hängt allein von meinen Fähigkeiten und
Ambitionen ab. Und die Wahl des Arbeitsortes bleibt mir trotzdem
vorbehalten.
Wir haben während der Reise die Gelegenheit genutzt und uns mit vielen
Internet-Bekannten getroffen und ausgetauscht. Wir haben
Anette und
Christoph in Canmore besucht. Rudi und seine ganze Familie waren sehr nett
und hilfsbereit. Bei Familie Meier in der Nähe von Edmonton gab es kleines
Forumstreffen mit Barbecue und schließlich hat uns Johanna aus Edmonton
mit "Starbuck" Edmontons schöne Seiten gezeigt. Wir haben die ganze Reise
genossen, obwohl es auch sehr anstrengend war. Ich bin in dem Entschluss
bestärkt worden, das Richtige zu tun. Kanada wird unsere neue Heimat -
wenn auch mit etwas Verspätung.
18. September 2006
Am vergangenen Samstag rief
mich Rudi wieder an: "Rate mal wer neben mir sitzt?" fragte er mich. "Starbuck", so lautet der Name den er in Internetforen
verwendet, ist in Edmonton angekommen. Der aufmerksame Leser erinnert
sich. Ich hatte auf Rudis Wunsch nach deutschen Maurern Ausschau gehalten
die ebenfalls nach Kanada wollen. "Starbuck" hat sich gemeldet. Da er
unter 35 ist, konnte er über das deutsch-kanadische
Young Workers Exchange
Program
gehen. Dabei entfiel für ihn die Prozedur mit dem LMO und nach wenigen
Wochen hatte er die Arbeitsgenehmigung vorliegen. Nu is er da und wir
hocken immer noch in Deutschland.
Da uns immer noch kein LMO vorliegt, haben wir unsere geplanten Flüge
storniert. Im Gegenzug haben wir heute 2 Flüge nach Vancouver gebucht. Petra und ich werden jetzt erstmal eine 12-tägige Rundreise
durch Westkanada mit dem Mietwagen machen. Vancouver - Kelowna - Canmore -
Calgary - Edmonton - Jasper - Clearwater oder Kamloops - Vancouver sind
die Stationen. Insgesamt werden das wohl so zwischen 3.000 bis 3.500
Kilometer werden. So bekommen wir einen Eindruck von der Gegend und etwas
mehr Sicherheit für unsere Entscheidung. Außerdem werden wir wohl einige
Gespräche mit interessierten Arbeitgebern auch aus anderen Städten führen,
und natürlich werden wir fotografieren was das Zeug hält um unsere
Internetseiten endlich mal zu bebildern.
Einen Kontakt haben wir über die BCCA, eine Art Handwerkskammer, in
Vancouver erhalten. Von dort aus wurde uns auch dazu geraten, nicht über
ein work permit, sondern über das Provincial nominee program
kurz PNP zu gehen. Das PNP dauert zur Zeit angeblich noch mal 10-14 Wochen
Bearbeitungszeit. Dann wären wir im Februar oder März 2007 und hätten
damit fast ein volles Jahr Wartezeit hinter uns! Das PNP stellt sozusagen die Vorstufe des
permanent resident Status (Daueraufenthaltsrecht) dar. Wir werden entscheiden was wir tun, wenn
wir uns alles vor Ort angesehen und angehört haben. Ein ausführlicher und
reich bebilderter Reisebericht von Westkanada folgt voraussichtlich Mitte
Oktober.
26. August 2006
So langsam kommen wir uns
ziemlich dämlich vor. Schon im März haben wir in unserem Bekanntenkreis
verkündet, dass wir nach Kanada gehen wollen. Jetzt haben wir es Ende
August, und wir hocken immer noch in Deutschland. Immer mehr
"Leidensgenossen" die wir mittlerweile in verschiedenen Internetforen
kennen gelernt haben, bekommen nach und nach ihre Papiere und dürfen nach
Kanada einreisen um zu arbeiten. Nur wir nicht.
Gestern hatten wir wieder einen Anruf von Rudi, meinem zukünftigen Chef.
Er hat immer noch keine Genehmigung vom Kanadischen Arbeitsamt, das Labour
market opinion, um uns einstellen zu dürfen. Er versteht auch nicht, warum
das so lange dauert. In den kanadischen Medien ist das Thema Auswanderer,
seiner Aussage nach, auch ständig auf der Tagesordnung. Jeder wundert sich über den
Widerspruch, dass in Alberta händeringend Arbeitskräfte gesucht werden,
aber auf der anderen Seite diejenigen die ins Land wollen um zu arbeiten
Monate lang auf die Genehmigung warten müssen.
Trotzdem haben wir voller unerschütterlichem Optimismus schon mal den Flug
gebucht. Der Hintergrund ist, dass die Fluglinie
Condor nur bis zum Herbst Westkanada
anfliegt und alle anderen Fluglinien erheblich teurer sind als Condor.
Unser Risiko bei einer eventuellen Stornierung beträgt 20% des
Flugpreises. Das ist unserer Meinung nach ein kalkulierbares Risiko das
wir eingehen wollten.
Die Angebote der Umzugsspeditionen haben sich preislich so um die 4.000 €
eingependelt. Dafür bekommt man dann einen 20 Fuß Überseecontainer vor die
Haustür gestellt, hat 3 Stunden Zeit den selber voll zu laden und bekommt
diesen dann bis vor die Haustür der neuen Wohnung in Kanada geliefert, wo
man ihn dann wieder innerhalb von 3 Stunden selbst entladen darf.
Packmaterial, Umzugskartons und alles was damit dranhängt muss man
natürlich auch selbst besorgen.
23. Juli 2006
Letzte Woche hat sich das Job Center gemeldet. Unserem
Antrag auf Reisekosten- und Umzugkostenbeihilfe wurde stattgegeben.
Nachdem der Antrag erstmal standardmäßig (?) abgelehnt wurde, habe ich
zuerst mündlich Widerspruch eingelegt und schriftlich einige Hieb und
stichfeste Argumente nachgeliefert. So sind nun auch die Umzugskosten
gesichert finanziert. Obwohl wir nicht sehr viel mitnehmen wollen, werden
wir wohl doch einige Möbel, die
Fahrräder, den Computer und vor allem die Schrankinhalte wie Fotoalben,
Kleidung, Bücher etc. in Kisten verstauen und rüberschiffen.
Einen Termin haben wir immer noch nicht. Ich durfte allerdings heute im
Walter´s Forum lesen, dass der Maurer, dem ich eine Stelle vermittelt
habe, seine Arbeitserlaubnis erhalten hat. Dann ist er vielleicht
tatsächlich eher drüben als ich.
Bei uns steht am nächsten Wochenende erst mal das diesjährige Schützenfest
an. Wir haben gleich 2 Majestäten in der Familie. Meine kleine Nichte ist
Kinderkönigin und meine Schwiegermutter ist Schützenkönigin geworden. Das
werden wieder "fettige" Tage! Wir sind schon gespannt, ob es in Edmonton
auch so was ähnliches wie einen Schützenverein gibt.
05. Juli 2006
Das Warten wird langsam zermürbend. Ich habe mal dem deutschen Honorarkonsul in Edmonton eine E-Mail geschickt. Den Konsul hatte ich auf der Jobmesse in Leipzig kennen gelernt. Ich wollte wissen, ob er nicht Einfluss nehmen kann, auf die Bearbeitungsdauer des Arbeitsmarktgutachtens. Schließlich lesen wir ständig Meldungen, dass in Alberta extremer Arbeitskräftemangel herrscht und hier in Deutschland sitzen wir dumm rum. Hier die Originalantwort:Wenn wir davon ausgehen, dass mein zukünftiger Arbeitgeber Mitte April alle Anträge abgegeben hat, kann es also Mitte August werden, bis wir das OK kriegen und in Berlin die Arbeitserlaubnis beantragen dürfen. Wenn alles gut geht, sind wir hoffentlich Anfang September in Edmonton.
21. Juni 2006
Letzte Woche habe ich mir eine Apostille besorgt. Das ist
kein illegales Medikament und auch nichts zum essen, sondern eine amtliche
und international anerkannte Beglaubigung der Echtheit eines Dokuments, in
diesem Falle meines Meisterbriefes und des Meisterprüfungszeugnisses bzw.
deren Kopien. Ich hoffe, dass mir das bei der Anerkennung meines Berufes
in Kanada helfen wird. Hier in Deutschland darf ich als Maurermeister
praktisch auch als Architekt arbeiten und auf eigene Verantwortung Häuser
planen und schlüsselfertig bauen. Mal sehen wie das in Kanada läuft.
Die Apostille erhält man bei der Bezirksregierung wo das Dokument
ausgestellt wurde. Das muss nicht immer identisch mit dem Wohnort sein. Da
ich meine Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Bielefeld abgelegt habe
war die zuständige Behörde die Bezirksregierung Detmold. Ich werde den
Meisterbrief nun noch amtlich übersetzen lassen, und hoffe, dass mir das
auch was nützt. Die Apostille hat mich 15 € pro Dokument gekostet. Das
gleiche lasse ich jetzt noch mit unseren Kaufmannsbriefen und dem
Gesellenbrief machen.
Unsere KFZ-Versicherung hat heute auch die englische Bestätigung der
Schadensfreien Jahre geschickt. Manche Versicherer in Kanada sollen sich
davon beeindrucken lassen und günstigere Versicherungsprämien kassieren.
Ab Heute wird diese Homepage mit Frontpage 2003 erstellt. Mal sehen welche
Spielereien das neue Programm zur Verfügung stellt. Meiner Tochter ist
hier im Augenblick viel zu viel Text und viel zu wenig Bilder. Aber
wirklich interessante Bilder können wir erst liefern, wenn wir in Kanada
sind. Also bitte noch etwas Geduld.
11. Juni 2006
Durch die Erstellung dieser Internetseiten und durch einige Einträge in verschiedenen Internetforen, lernen wir in letzter Zeit sehr viele Menschen kennen. Wir möchten uns auf diesem Weg bei all denen bedanken, die wir mit unseren Fragen nerven und die uns unermüdlich auch die dämlichsten Fragen beantworten. Als Ausgleich dafür sind wir auch stets bemüht alle Anfragen die wir erhalten, kurzfristig und nach bestem Wissen zu beantworten. Eine Hand wäscht die andere. So sollte es sein. Wir freuen uns schon die vielen Menschen eines Tages auch mal persönlich kennen zulernen. Um neue Bekanntschaften aus denen vielleicht auch Freundschaften wachsen könnten, machen wir uns daher keine Sorgen. Ein Lichtblick bei all dem ungewissen was uns in der nächsten Zeit noch bevorsteht. Also, DANKE und viele Grüße an alle mit denen wir in den letzten Wochen über das Internet Kontakt hatten. Wir bemühen uns weiterhin, möglichst detailliert unsere Vorbereitungen zu dokumentieren und jedem zu helfen der nach Hilfe fragt.
06. Juni 2006
Abends gegen 21.00 Uhr rief Rudi aus Edmonton an. Er hatte soeben einen Anruf vom zuständigen Arbeitsamt. Unser Antrag war offensichtlich an der Reihe und Rudi hat jetzt auch eine Bearbeitungsnummer erhalten. Wie lange es nun noch dauert, konnte ihm aber auch der freundliche Mitarbeiter des Arbeitsamtes nicht sagen. Aber jedenfalls wissen wir, das Bewegung in der Angelegenheit ist. Wenn alles gut geht und sämtliche Formalitäten bis dahin geregelt sind, wollen wir in den Sommerferien den Umzug durchführen. Anfang September fängt in Edmonton das neue Schuljahr an.
30. Mai 2006
Ich habe in einem der zahlreichen Internetforen nach Maurern Ausschau gehalten die auch an Kanada interessiert sind. Rudi hat mich gebeten noch 2 bis 3 Maurer mitzubringen. Mittlerweile habe ich einen vermitteln können. Da er noch ein paar Jährchen jünger ist, kann er möglicherweise über das Young Workers Exchange Program ausreisen. Dann entfällt die lästige Prozedur mit dem Arbeitsmarktgutachten. Wahrscheinlich ist er sogar schneller in Kanada als ich.
22. Mai 2006
In der Zwischenzeit trudeln auch die Papiere ein, die wir
für den Fall der Einwanderung nach Kanada benötigen. Internationale
Geburtsurkunden, internationaler Führerschein, polizeiliches
Führungszeugnis, Auszug aus der Flensburger Punktekartei und so weiter.
Da ich seit Wochen nichts mehr von Rudi gehört habe, beschließe ich
Ihm ein Fax zu schicken und ihm mitzuteilen, dass es von uns aus
kurzfristig losgehen kann. Wie erwartet meldet sich Rudi abends per
Telefon. Es gibt keine Neuigkeiten. Alle Anträge sind gestellt. Wir
befinden uns zur Zeit in der Hand der Bürokraten. Einen Zwischenstand
über den Bearbeitungsstatus zu erhalten ist in Deutschland genauso
wenig möglich wie in Kanada. "Die Bürokratie haben wir von den
Deutschen gelernt!" meint Rudi. Wir sollen uns keine Sorgen
machen. Alles läuft wie geplant. Aber es dauert eben auch seine Zeit
.....
Wenn die Deutschen sich die gleiche Mühe geben würden bei der Auswahl
der Personen die im Land arbeiten dürfen wie die Kanadier, müsste ich
vielleicht gar nicht ausreisen denk ich so bei mir.
18. Mai 2006
Mein alter Ford Transit Transporter hat einen Käufer gefunden. Über 9 Jahre und über 200.000 Kilometer waren wir ein unzertrennliches Team. Ist schon ein komisches Gefühl, aber damit habe ich jetzt auch das notwendige Kleingeld um zumindest die ersten Wochen in der neuen Heimat zu finanzieren.
22. April 2006
Räumungsverkauf! Ich verkaufe die gesamte Betriebs- und Geschäftsausstattung und löse mein Lager auf. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Der Lebensabschnitt selbstständiger Maurermeister ist damit endgültig beendet. Erfreulicherweise werde ich den Großteil meiner Klamotten los. Ich hatte schon befürchtet, dass ich für die Entsorgung noch einen Haufen Geld bezahlen muss.
18. April 2006
Abends rufe ich in Edmonton an um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Rudi hat alle Hebel in Bewegung gesetzt. Nachdem er sich über die genauen Formalitäten informiert hat und die entsprechenden Anträge gestellt hat, sagte er: "Du musst wohl noch einige Wochen vielleicht sogar Monate Geduld haben. Aber Du kannst dich drauf verlassen. Ich hole Dich und Deine Familie nach Edmonton!" Ich bin beruhigt aber auch ungeduldig! Von mir aus könnte es sofort losgehen.
13. April 2006
Auch in Kanada gibt es Bürokratie. Mir liegt zwar das schriftliche Angebot von Rudi vor. Bis es aber zu einer Arbeitserlaubnis kommt, sind noch ein ganzer Haufen Formalitäten zu erledigen.
07. April 2006
Telefonanruf gegen 16.00 Uhr: "Hier ist Rudi! -
Welcher Rudi? - Rudi aus Edmonton!"
Am anderen Ende der Leitung sprach Rudi Frahm. Ein deutscher Auswanderer
der schon 1957 von Halle nach Edmonton ausgewandert ist. Er ist
Bauunternehmer im Ruhestand. Sein Sohn führt das Geschäft aber weiter.
Meine Bewerbung erreichte Ihn über die dortige Innung wo ich auch eine
Kurzbewerbung hingeschickt hatte. Wir haben uns ausführlich
unterhalten. Er war durch die besagte Bewerbungshomepage bereits bestens
über mich informiert und bot mir sofort einen Job an. "Du kannst
bei uns arbeiten, gutes Geld verdienen (mehr als in Vancouver) und ein
neues Leben beginnen. Wir helfen Dir dabei!"
06. April 2006
Das Einwanderungsbüro, bei dem ich meine Unterlagen auf der Jobmesse abgegeben hatte, meldet sich. Ein festes Jobangebot bis zum 10. April könnten Sie mir nicht zusagen. Ich sollte etwas Geduld haben. Also gut dachte ich, dann eben Vancouver. Ist ja angeblich eine der schönsten Städte der Welt. Ich mache Petra damit vertraut. Begeistert ist sie nicht!
28. März 2006
Ich bitte Vancouver um Bedenkzeit bis zum 10. April. Ich hoffe bis dahin noch ein oder mehrere Angebote aus Alberta bzw. Edmonton zu bekommen. Aber lange Zeit tut sich nichts obwohl ich alle möglichen Leute in Edmonton, deren Adressen ich von der Jobmesse mitgebracht hatte, schon penetrant per E-Mail nerve.
23. März 2006
Nachdem wir die Unterlagen sichten und auch ein Werbevideo von Edmonton dabei ist, werde ich unschlüssig. Soll ich das Angebot aus Vancouver zurückstellen und mich auch in Edmonton umschauen? Schaden kann es nicht. Also wieder stundenlange Internetrecherche und Bewerbungen an alle möglichen Stellen in Kanada. Hier zeigt sich, dass sich die Arbeit für die Erstellung der 2-sprachigen Bewerbungshomepage gelohnt hat. Ich sende immer nur ein kurzes englisches Anschreiben per E-Mail und den Link zu der Bewerbungshomepage. Auf diese Weise haben die potentiellen Arbeitgeber gleich umfassende Informationen über mich vorliegen und ich spare mir das Porto.
22. März 2006
Jobmesse in Leipzig. Ich hatte in der Zwischenzeit das Angebot aus Vancouver schriftlich vorliegen. Ich könnte demnach angeblich innerhalb weniger Wochen in Vancouver anfangen zu arbeiten. Trotzdem wollen wir uns die Vorträge und Angebote auf der Jobmesse anhören. Wir wurden mit Informationen überschüttet. Vertreter einiger Kanadischer Provinzen haben die Chancen und Möglichkeiten erläutert. Ich habe die Möglichkeit wahrgenommen Bewerbungsunterlagen zu verteilen und auch erste Gespräche auf englisch geführt. Ging eigentlich ganz gut. Petra hat sich sehr für Alberta interessiert. Zum einen, weil dort ein sehr hoher Deutschanteil in der Bevölkerung ist, zum anderen weil die Siedlungsform um Edmonton herum sehr dörflich sein soll. Das kommt unseren bisherigen Lebensgewohnheiten entgegen. Außerdem wurde uns gesagt, dass das Leben in Edmonton wesentlich billiger sein soll. Und die Löhne sollen höher sein als in Vancouver! Mir ist das da eigentlich zu kalt ("Bis -26°C wird gearbeitet!")
09. März 2006
Kanada! Das Traumland schlechthin. Ab jetzt wurden alle Informationen über das Land, die Leute, die Arbeitsbedingungen und einfach alles was mit Kanada zusammenhängt aufgesaugt. Auf den Internetseiten der Arbeitsagentur wurde mir bestätigt: Kanada sucht dringend bevorzugt deutsche Handwerker! Es geht sogar soweit, dass kanadische Arbeitgeber in Kooperation mit dem deutschen Arbeitsamt, der deutschen und kanadischen Regierung zum wiederholten male Jobmessen in Deutschland veranstalteten um deutsche Handwerker anzuwerben.
08. März 2006
Am Abend gegen 19.00 Uhr klingelt das Telefon. Jemand fragte mich (auf deutsch) nach meinen Beweggründen für die Bewerbung. Ich wusste erst gar nicht wer dran war. Auf Nachfragen erfuhr ich dann, dass ich mit Vancouver in Westkanada telefonierte. Wir unterhielten uns ca. 20 Minuten über meine Qualifikation, meine Beweggründe und die Arbeits- und Lebensbedingungen in Kanada. Am Ende des Gesprächs sagte mir dann mein Gesprächspartner, dass er sich gut vorstellen könnte mich einzustellen. Ich bat mir allerdings etwas Bedenkzeit aus. Zwischenzeitlich wollte mir mein Gesprächspartner per E-Mail die Rahmenbedingungen und Informationen über das Leben und Arbeiten in Kanada senden. Die Infos kamen innerhalb von 5 Minuten! Das Angebot hat unser Leben etwas durcheinander gebracht.
07. März 2006
Wiederum bei Internetrecherchen finden wir eine Seite auf der Kanadische Firmen nach deutschen Arbeitskräften Ausschau halten. Mittlerweile habe ich im Internet eine eigene Bewerbungshomepage erstellt und sende per e-Mail die Adresse an die kanadischen Arbeitgeber.
05. März 2006
Ich bin im Internet auf eine Seite eines Einwanderungsberaters aus Neuseeland gestoßen. Wir investieren 33 € für die Auswertung unserer Chance und erfahren einige Tage später, dass unsere Aussichten in Neuseeland sehr gut wären. Maurer werden aufgrund eines lang anhaltenden Baubooms sehr gesucht. Allerdings erscheinen uns die Formalitäten als ziemlich übertrieben und teuer. Wir lassen das erst mal sein.
März 2006
Durch Zeitungsartikel und Beiträge im Fernsehen und im Internet werden wir auf das Ausland aufmerksam. Neuseeland, Australien, Norwegen, Dänemark, Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Irland, Dubai, Südafrika, Kanada. Alle diese Länder suchen händeringend nach Handwerkern. Es stellt sich heraus: Als Handwerker kann ich überall auf der Welt arbeiten und gutes Geld verdienen, nur nicht in Deutschland!
Februar 2006
Wir geben auf. Auch aufgrund des sehr langen Winters aber vor allem wegen der sehr schlechten Auftragslage sind wir nicht mehr in der Lage genug Geld zu verdienen um die Kosten für eine 5-köpfige Familie zu decken. Wir bewerben uns intensiv auf alle in Frage kommenden Stellenausschreibungen und schließen auch eine Auslandstätigkeit nicht mehr aus.
Sommer 2005
Wenn jetzt nicht allmählich ein kleiner Aufschwung kommt, werden wir den nächsten Winter wohl nicht "überleben". Die Bewerbungen werden intensiver. Die Absagen auch.
Die Jahre 2003 - 2006
Seit 1994 bin ich als Maurermeister selbstständig. Im
März 2000 habe ich die Vertretung der Fa. Hahne-Bauchemie übernommen.
Wir beobachten mit großer Sorge, dass wir trotzdem wir mehr
arbeiten, immer weniger Geld verdienen können aber auf der anderen Seite
die gesamten Lebenshaltungskosten unaufhörlich steigen. Wie soll das enden? Der
Arbeitsmarkt wird von uns genau beobachtet. Wir bewerben uns sporadisch
auf passende Stellenausschreibungen. Ohne Erfolg!